Mittwoch, 24.August

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Heute haben
Jean Rhys * 1890
Jorge Luis Borges * 1899
AS Byatt * 1936
Joshua Sobel * 1939
Paulo Coelho * 1947
Stephen Fry * 1957
Michael Kleeberg * 1959
Geburtstag
____________________________

Abend aber lau
das Alleinsein lädt sich auf
macht keine Szene

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Ilma Rakusa:Impressum: Langsames Licht
Gedichte
Droschl Verlag € 20,00

15 Jahre hat es gedauert, bis Ilma Rakusa einen weiteren Gedichtband veröffentlicht hat. Jetzt liegt er vor und beim ersten Aufschlagen habe ich ein Ulm-Gedicht entdeckt.

Ulm, Farbenlicht

Ziemlich banal: Schneegstöber,
Nackenverspannung, bei Rossmann
Nivea Vital gekauft und ab.

Guten Tag. Gute
Hoffnung. Wir werden nicht
verloren sein. Etwas besoffen
zum Bahnhof, als flöge ich.
Die Landschaft mit Rind und
Jesuskind begleitet mich.

Städte sind wichtig im Leben von Ilma Rakusa. Viele aus dem Osten Europas, dort, wo sie herkommt, dort, wo sie sich auskennt. Darüber schreibt sie auch in ihren Erzählungen, Essays und Romanen. Und so findet sich nach Transsylvanien und Bukarest plötzlich Ulm. Danach Umea und Köln, Berlin und Praha. Diesen Orten hat sie eines der sieben Kapitel gewidmet.

Melancholien
Orte
Zeiten
Dinge
Bilder
HommagenTräume. Wünsche

Jedes Kapitel beginnt mit einem Haiku. Somit haben wir vielleicht ein weiteres Kapitel.
Durch alle Kapitel zieht sich der rote Faden der Zeit. Die Zeit, in der wir leben. Den Augenblick, den es einzufangen gilt, der Moment, der ruckzuck wieder vorbei ist. Vergangenes vermischt mit der Gegenwart. Genauso die Jahreszeiten. Wir finden Schneegestöber und laue Sommernächte.

Sommer

Sommer ist:
wenn das Zimmer bei halbgeschlossenen
Jalouisien vor sich hin dämmert.


Warten auf Schwalben

Der Flieder verblüht, doch die braunen Blüten
erinnern. Im Grün. So schnell der Wechsel,
eben noch Duft, dann keiner. Jetzt blüht es
nebenan, schaumweiß, ein kleiner Strauch
und will es beweisen. Die Vögel sporadisch,
im Dickicht versteckt. Schwalben? Albern
keine herum. Und warum? Im galizischen
Lemberg schrien sie schon, über spitzen
Giebeln. Hier nicht. Sind wo hängen
geblieben. Ich möchte wissen, an welchen
Drähten. Späher, weißt du’s?

Ilma Rakusa läßt Alltägliches in ihre Gedichte einfließen, betrachtet Kleinigkeiten und fordert uns auf, genau hinzuschauen. Nicht nur auf ihre Gedichte, sondern auf uns selbst und auf unsere Nächsten. Ihre Aufzählungen sind wie ein Blättern in einem Fotolbum, in dem ganze Lebensläufe gesammelt sein können. Sie sammelt, hortet, legt aus und mischt neu. Vielleicht können Sie sich noch an eine unserer Jahresgaben erinnern, die von Ilma Rakusa war und in der es um das Sammeln ging.
Unglaublich dicht und komprimiert können sie sein, die Gedichte, aber auch luftig leicht und winterlicht schwer.
Ein großes Vergnügen, das mich veranlaßt hat, mehrfach kreuz und quer durch das Buch zu blättern.

Gedicht gegen die Angst

Streichle das Blatt
küsse den Hund
tröste das Holz
hüte den Mund
zähme den Kamm
reime die Lust
schmücke den Schlaf
plätte den Frust
neige das Glas
wiege das Buch
liebe die Luft
rette das Tuch
schaue das Meer
rieche das Gras
kränke kein Kind
iss keinen Fraß
lerne im Traum
schreibe was ist
nähre den Tag
forme die Frist
lenke die Hand
eile und steh
zögere nicht
weile wie Schnee
öffne die Tür
lade wen ein
schenke dich hin
mache dich fein
prüfe dein Herz
geh übers Feld
ruhe dich aus
rühr an die Welt

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