Freitag, 26.August

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Heute haben die Geburtstag, die ich gestern schon aufnotiert habe
und gestern hätte u.a. Alberto Saviano seinen feiern können.
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Unser Buchtipp paßt gut zum Frühstück:

9783462316247

Michael Angele:Der letzte Zeitungsleser
Galiani Verlag € 16,00

Wenn ein Buch schon aussieht, wie eine Zeitung, wenn der Satzspiegel gesetzt ist wie eine Spalte in der Tageszeitung, wenn das Buch „Der letzte Zeitungsleser“ heißt und wenn vorne drauf noch ein Zeitungs lesender Thomas Bernhard zu erkennen ist, dann, ja dann muß ich einfach in dieses Buch schauen.
Michael Angele, selber Zeitungsmacher und ehemaliger Chefredakteur einer Internetzeitung, weiß wovon er redet.
Aufhänger ist tatsächlich Thomas Bernhard, der Angele als der Prototyp des Zeitungsleser gilt. Hat Bernhard nicht einmal – und diese Geschichte finden Sie in jeder Besprechung – als er auf der Suche nach der aktuellen Ausgabe der Schweizer NZZ war, 350 Kilometer mit der Bahn verfahren, um am Abend endgültig mit leeren Händen dazustehen. Oder Angele selbst: im Ausland eine FAZ vom Vortag für € 8,00 gefunden und zu geizig für den Kauf. Auf dem Rückweg war sie weg. Mist, so dachte Angele und ärgerte sich, daß er so knickrig war. Aber auch voller Freude, da er einen unbekannten Gleichgesinnten unter den Touristen wußte.
Angele schreibt über das Zeitungslesen in Cafés, über die Unsitte im Urlaub die Onlinevariante des geliebten Blattes auf dem Handy zu lesen, anstatt sich in eine andere Zeitung zu vertiefen. Jetzt, da man doch wirklich mal Zeit und Muße hat. Überhaupt die dicken Zeitungen. Angele genießt sie und zitiert seinen Nachbarn, der nur die SZ vom Wochenende kauft. Zum Lesen kommt er allerdings nicht. Das „Streiflicht“ schafft er. Aber dann?
Angele singt das große Loblied auf dieses (bald verschwundene ?) Medium. Er vergißt allerdings auch nicht, auf die Beliebigkeit der Blätter hinzuweisen, die durch Sparzwänge auf dpa Meldungen angewiesen sind und nur noch wenig selbst schreiben.
Für Angele ist die Zeitung ein magisches Objekt, dem man sich auf verschiedene Arten nähern kann. Wir fühlen sie, wir riechen sie (Englische Butler bügeln Zeitschriften, damit die Druckerschwärze nicht an den Fingern der Lordschaften haften bleibt), wir falten und zerschneiden sie und tragen sie stolz gerollt durch fremde Städte (obwohl wir die rosa farbende italienische Sportzeitung doch gar nicht lesen können). Daß Zeitungsleser auch Sammler und Messies sind, daß wir als Zeitungsleser Dinge entdecken, die gar nicht geplant waren entdeckt zu werden, versteht sich von selbst.
Ach, es gäbe noch so vieles über das Buch und das Zeitungslesen zu schreiben.
Lesen Sie das Buch doch selbst und spazieren dann mit ihrer Zeitung ins nächste Kaffehaus.

Leseprobe

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