Freitag, 21.Oktober

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Heute haben
Samuel Taylor Coleridge* 1772
Alphonse de Lamartine * 1790
Edmondo De Amicis * 1846
Geburtstag.
Und auch Dizzy Gillespie, Georg Solti und Alfred Nobel.
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Gila Lustiger:Die Schuld der Anderen
Berlin Verlag € 11,00

Es ist Sommer in Paris. Eine große Lethargie liegt über der Hauptstadt, nur Marc Rappaport hält es nicht auf seinem Büro. Er arbeitet als Gerichtsreporter für eine engagierte, überregionale Zeitung. Nach 30 Jahren scheint ein Mord an einer jungen Prostituierten dank einer DNA-Analyse aufgeklärt werden können. Der mutmaßliche Mörder ist gefasst und sitzt in Haft. Marc Rappaport gibt sich damit aber nicht zufrieden und forscht weiter. Sehr schnell findet er eine heiße Spur in einer Kleinstadt in Frankreich, irgendwo im Nirgendwo. Dort arbeitet ein Futtermittel-Konzern mit einem synthetisch hergestellten Vitamin A, in der landlosen Massentierhaltung billig, lukrativ und ein Zwischenstoff, der fatale Tücken hat. Er ist krebserregend. Marc Rappaport bohrt weiter, recherchiert auf eigene Faust, besucht die Frau des Inhaftierten, dringt in die Firma ein, besucht den ehemaligen Betriebsarzt und bleibt nicht immer auf dem ganz legalen Pfad. Aber er hat sich festgebissen und möchte wissen, wer dahintersteckt. Er glaubt nicht an einen einfachen Prostituiertenmord. Umso mehr er bohrt und aufdeckt, desto mehr taucht er ein in die Geschichte der 80er Jahre in Frankreich und in die Machenschaften der Chemieindustrie. Er beginnt ihre Macht zu spüren und erkennt immer mehr die Ohnmacht der Arbeiter und Angestellten. Unter Mitterrand wurden die Chemiekonzerne verstaatlicht. Es sollte nicht mehr auf Gewinnmaximierung, sondern auf Konsolidierung geachtet werden. Das Programm scheitert und das Rad wird wieder zurückgedreht. Mit noch größer Macht stehen nun diese Konzerne da und agieren mittlerweile weltweit. Gila Lustiger schreibt in dem Buch über französische Verhältnisse. Das gleiche ist jedoch auch unter der rot-grünen Regierung in Deutschland passiert. Die Autorin lebt seit 30 Jahren in Paris und hat zwei Jahre für dieses Buch recherchiert. Sie machte ein Praktikum bei der Polizei, um besser über deren Abläufe schreiben zu können. Korruption, Bestechung, Antisemitismus sind genauso Thema in diesem Roman, wie das Abtriften von Menschen aus Randgruppen in radikale Gruppierungen. Und nach den Anschlägen auf das Satiremagazin zeigt sich die große Aktualität dieser Arbeit, die sehr gut auch auf Deutschland übertragbar ist.
Marc Rappaport dringt immer tiefer in diesen unüberschaubaren Dschungel ein, ist wie vernagelt für andere Dinge und besessen, diesen Fall zu lösen. Dass dies natürlich zu Spannungen mit seiner Freundin führt, ist klar. Auch mit seinem besten Freund und Chef in der Zeitung kommt es immer wieder zu großen Spannungen. Aber für Rappaport gibt es kein Zurück mehr. Er sucht und findet seine Täter in dan allerhöchsten Positionen in der Industrie und in der Regierung. Gleichzeitung kommt er auch aus großem Hause und sein Großvater war ein mächtiges Tier und hatte die Hebel in der Hand. Davon kann sich der Journalist nicht lösen. Immer wieder tauchen Gespräche mit dem Großvater und ihm als Junge auf. Er, der alte, weise Mensch, zeigt dem jungen Enkel, wie Politik fuktioniert und wie man mit Macht umgehen kann.
Gila Lustiger hat hier einen Krimi geschrieben, der weit mehr ist als das. Es ist die Geschichte der französischen Wirtschaftsgeschichte der letzten 30 Jahre. Spannend und packend geschrieben, dass ich nicht mehr weggekommen bin und das Buch auf zwei Sitzungen verschlungen habe. Das Buch hat mich immer wieder an die Romane von Schorlau und Manotti erinnert. Auch hier bleibt die Hauptperson, trotz aller Abwege, immer sympatisch und aus dem Buch tropft nicht literweise Blut, sondern fasziniert durch seine große Kenntnis und dadurch, dass die Autorin immer den Überblick behält, trotz aller radikaler Wendungen, die die Geschichte nimmt. Bis zum Schluß.

Leseprobe

druckfrischmit Denis Scheck und Gila Lustiger

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