Mittwoch, 30.November

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Heute haben
Jonathan Swift * 1667
Theodor Mommsen * 1817
Ippolito Nievo * 1831
Mark Twain * 1835
Winston Churchill * 1874
Thomas Hettche * 1964
Geburtstag
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

„Ich bin wie du mit geschlossenen Augen, nur schlauer!“ Das ist Parkers Credo.

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Eric Lindstrom:Wie ich dich sehe
übersetzt von Katarina Ganslandt
Carlsen Verlag € 16.99
Jugendbuch ab 14

Die Regeln
1. Leg mich nicht rein. Niemals. Vor allem nicht, in dem Du meine Blindheit ausnutzt. Und vor allem nicht in der Öffentlichkeit.
2. Fass mich nicht an, ohne mich vorher zu fragen. Ich bin blind. Für mich kommt jede Berührung unerwartet, weshalb ich möglicherweise zuschlage.
3. Finger weg von meinem Blindenstock und dem Rest meiner Sachen. Alles muss genau dort bleiben, wo ich es liegen gelassen habe. Logisch, oder?
4. Komm nicht auf die Idee, mir helfen zu wollen, wenn ich dich nicht darum gebeten habe. Dann bist du mir bloß im Weg und nervst.
5. Es gibt keine Grund, lauter zu sprechen, wenn du mit mir redest. Ich bin nicht taub. Du würdest dich wundern wie viele Leute das machen.
6. Wenn du etwas über mich wissen willst, dann rede mit mir und nicht mit den Leuten, die neben mir stehen. Ich habe keine Betreuer. Ja, auch das passiert ständig.

Das sind Parkers Regeln. Parker ist seit ihrem 7. Lebensjahr blind, durch eine Autounfall, den ihre Mutter betrunken verursacht hat und dabei ums Leben kam. Seitdem lebt sie mit ihrem Vater, joggt durch den Park, lässt sich, so wenig wie möglich durch ihre Blindheit einschränken und stösst einige Menschen durch ihr manchmal ruppiges Auftreten vor den Kopf. Auch mit ihrer ungeschminkten Ehrlichkeit, mit der sie ihren Mitmenschen Ratschläge gibt oder ihnen ihre Meinung sagt, können viele nicht umgehen. Ihren Freundinnen, erklärt sie, dass sie das eben kann, weil sie die Reaktionen der Betroffenen nicht sieht und somit keine Furcht davor hat.
Nun stirbt auch noch ihr Vater, ihre Tante mit Familie zieht zu ihr ins Haus und Parker muss sich nun wieder mit Trauer, Verlust und einem Leben mit ihr eigenlich fremden Menschen auseinandersetzen. Menschen, die es nur gut meinen, aber mit dem selbstbewussten, selbstständigen Leben Carters nicht so recht klarkommen. Dann taucht noch ihre alte Liebe Scott auf, der sie damals tief verletzt und enttäuscht hat und danngibt es noch Jason, auch ein Läufer, der sich durch sein entspanntes Umgehen mit ihrer Blindheit in ihr Herz schleicht.
Das hört sich sehr dramatisch an, ist aber mit viel Witz geschrieben und die Mädels und Jungs sind alle so gut drauf. Deswegen liebe Eltern und Onkels und Tanten: Steckt es in den Nikolausstiefel oder legt es unter den Baum.

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Dienstag, 29.November

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Heute haben
Wilhelm Hauff * 1802
CS Lewis * 1898
Carlo Levi *1902
Gerti Tetzner * 1936
Geburtstag
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Philip Reeve:Schwupp und weg
Einband und Illustrationen von Sarah McIntyre
Aus dem Englischen von Yvonne Hergane-Magholder
Oetinger Taschenbuch  € 8,99
Kinderbuch ab 8 Jahren

Oliver Crisp ist zehn und hat schon so gut wie alles auf der Welt gesehen, denn seine Eltern sind waschechte Entdecker. Und: Sie haben schon alles entdeckt und alles gesehen. Die gefährlichsten Abenteuer erlebt, die höchsten Berge erklommen und die tiefsten Ecken der Meere durchtaucht. Jetzt entschließen sie sich heimisch zu werden und sich in ihr Häuschen am Meer zurückzuziehen. Allerdings haben sie Skrupel und wissen nicht, ob ihr Sohn Oliver dazu Lust hat. Er freut sich jedoch riesig. Endlich ein eigenes Zimmer, endlich in die Schule und ein eigenes Dach über dem Kopf. Es gibt nichts Schöneres für ihn, als diese Vorstellung. Als sie nun in ihrer Bucht ankommen und ihr schiefes Haus an der Steilküste sehen, ruft Oliver: „Oh“ und meint, was für ein tolles Haus. Die Entdeckereltern rufen auch „Oh“ und sehen Inseln in der Bucht, die noch nie da waren. Die müssen vorher noch entdeckt werden. Was machen die hier? Oliver zieht sich in sein Zimmer mit Meerblick zurück und die beiden Alten tuckern mit einem Schlauboot von Insel zu Insel. Als Oliver nichts mehr von ihnen hört, macht er sich Sorgen und als er das Schlauchboot verlassen am Strand liegen sieht, ahnt er, dass er seine Eltern retten muss.
„Die meisten Leute wären sicher sehr erschrocken, wenn ihre Eltern mitsamt einem Haufen unbekannter Inseln verschwinden würden. Sie würden wahrscheinlich überlegen, die Polizei zu rufen oder die Küstenwache. Oder sie würden einfach nervös herumrennen und schreien. Aber Oliver war da anders. Er war ein Crisp und die Crisps waren aus härterem Holz geschnitzt. Er war noch nicht mal in Panik ausgebrochen, als er auf dem Entdeckungstrip zum Verschollenen Tafelberg mitsamt Kinderwagen von einem Adler davongetragen worden war.“
Dies ist allerdings nur eine kurze Passage vom Anfang des Abenteuers, bevor der riesige, durchgeknallte Spaß losgeht. Wichtige Mitspieler sind Schlenderinseln (die einfach so durch die Meere schlendern), Meergrasaffen, die nicht zu bändigen sind, eine kurzsichtige Meerjungfrau, ein böser Pubertierender und ein Schlenderinseltreffen, inkl. der Prämierung des schönsten Kopfschmucks einer der Inseln.
Woher der Autor nur seine Ideen hat? Ich käme da nie drauf. Wahrscheinlich muss man Engländer sein und einen britischen Humor haben. Auf jeden Fall ein großer Spaß für die Kleinen und Großen.

Trailer zum Buch

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Werner Färbers Ungereimtheiten der Woche

Rüsselkäfer CCXCIX

Flügel hat er, um zu gleiten,
Beine hat er zwei plus vier.
Fühler an des Kopfes Seiten,
zugleich ist er ein Rüsseltier.

Macht ihn das auch artverwandt
mit Rüsselträgern wie dem Schwein,
dem Tapir oder Elefant?
Nein, das kann wohl doch nicht sein.

Des Buchhändlers* Weihnachtstraum

Ich bitte stets daran zu denken:
Man kann Bücher auch verschenken!
Ein Buch zu der geweihten Nacht
noch immer vielen Freude macht.

(* ggf. zu ersetzen durch: Verleger, Autor, Illustrator …
und dem Geschlecht entsprechend anzupassen …)
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Am Freitag, den 09.12.2016, Stadthaus Ulm, 20 Uhr laden Eva Stotz, Katarina Schröter und Marije Nie zu dem Themenabend: „Moments of Movement“ – zwischen ankommen und schon-immer-da-gewesen. Drei Arbeiten durchleuchten die weltweite Bewegung im Spannungsfeld von Fliehen und Wurzeln schlagen, Aufbau und Abbruch, Heimat unterwegs, Heimat die sich verändert, Mythos Heimat. Ein Versuch die Perspektiven aller zu verstehen. Der Abend beginnt mit der Kurzfilm Premiere „One Million Steps“ und damit einer Aufbruchsbewegung in Istanbul, schraubt sich mit der VJ-Tanz-Performance „Moments of Movement“ in eine globale Vogelperspektive und taucht mit Obermarchtal und der Rest der Welt ein in die Lebensrealität von frisch Geflüchteten und lang Eingesessenen in Obermarchtal, einer Gemeinde im Alb-Donau Kreis.

Samstag, 26.November

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Heute haben
Georg Forster * 1754
Franz Jung * 1888
Eugène Ionesco * 1909
und Charles M.Schulz * 1922
Geburtstag.
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Werner Wollenberger:Janine
Fast eine Weihnachtsgeschichte
Unionsverlag € 15,00

»Wenn eine Fee käme und sagen würde, ›Janine, du
kannst dir wünschen, was du willst.‹ Was würdest du
dir dann wünschen?«
Das Kind schaute den Vater an. Es überlegte scharf.
Dann lächelte es und dann schüttelte es den Kopf.
»Das würde ja nicht gehen!«
»Was würde nicht gehen?«
»Dass bald Weihnachten ist!«

Werner Wollenberger (1927–1982) war ein Schweizer Schriftsteller und Publizist. Bekanntheit erlangte er in jungen Jahren mit seinen satirischen Texten für den Nebelspalter und das Cabaret Federal. Er prägte die deutschsprachige Kabarettszene der Nachkriegszeit als einer ihrer beliebtesten Autoren und schrieb später für Radio, Film, Fernsehen und die Bühne, für die Zürcher Woche, die Neue Presse, die Weltwoche und viele mehr. Sein Werk zeugt von einer in seiner Zeit ungewöhnlichen, engagierten Präsenz.

Endlich ist diese kleine Weihnachtsgeschichte wieder lieferbar. Gerade rechtzeitig noch, bevor alle gemeinsam Weihnachten feiern. Weihnachten beginnt mit dem Heiligen Abend am 24.12..Darauf folgen die beiden Feiertage. Das war schon immer so. Naja zumindest so lange, wie wir uns erinnern können. Weihnachten ist das Fest der Liebe. Und um dieses Fest der Liebe geht es in „Janine – Fast eine Weihnachtsgeschichte“. Ich kannte den Text noch nicht und habe ihn mit auf eine Zugfahrt mitgenommen. Allzuviel Zeit brauchen Sie nicht für die Lektüre. Umso länger hält sich die Geschichte im Gedächtnis.
Wir befinden uns in einem Schweizer Juradorf Ende der 50er Jahre. Ein Bäcker, ein paar Kneipen, ein Elektrogeschäft, eine Kirche und eine Schule. Jeder kennt jeden und es könnte alles gut sein, wenn nicht die 8jährige Janine an Leukämie erkrankt wäre und, laut den Ärzten, nur noch ein paar Wochen zu leben hat. Und dieser Weihnachtstermin wird zum großen Problem für die Familie. Der Vater kommt nämlich auf die Idee, den Termin für dieses Fest vorzuverlegen. Das geht doch nicht, meint seine Frau. Aber der Vater sagt, ein Fest der Liebe kann auch einmal etwas vorverlegt werden. Oder vielleicht noch krasser: Können wir nicht öfter ein Fest der Liebe feiern. Und wenn es doch der große Wunsch seiner Tochter ist. Und so beginnt er im Dorf herumzufragen, stößt erst auf Ablehnung und finder dann doch offene Ohren. Sogar beim Pfarrer, der von einem besonnenen jungen Mann überzeugt wird, daß dieses Jahr im Dorf Weihnachten schon zwei Wochen vorher gefeiert, der Kirchgang am 25.12. und 26.12.genauso begangen wird, wie immer. Nur dieser Heilige Abend, mit den Geschenken usw. ist davon betroffen. Und so verändert sich das Dorf in diesem Jahr schon früher. Die Auslagen in den Geschäften werden früher umdekoriert. Es wird schon gebacken und verpackt, damit das vorverlegte Fest auch richtig begangen werden kann. Als es dann so weit ist, schafft es der Elektrohändler, daß er Weihnachtsmusik über das Radio im Dorf senden kann.
Das Mädchen Janine ist überglücklich, dass ihr großer Wunsch in Erfüllung gegangen ist und stirbt zwei Tage später.

Werner Wollenberger hat hier eine zarte, etwas freche, etwas andere Weihnachtsgeschichte aufgeschrieben, die an die Seele rührt und nicht rührselig ist. Schnell sind die 80 Seiten gelesen. Und prima, daß der Unionsverlag den Roman wieder in dieser schönen Ausgabe veröffentlicht hat.