Mittwoch, 5.April

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Jochen Ziem * 1932
Werner J.Egli * 1943
Geburtstag


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Anna Maria Bacher:“Augenblicke / Öigublêkch / Colpo d’occhio
Gedichte Deutsch, Walserdeutsch, Italienisch
Übersetzt von Kurt Wanner und mit einem Vorwort von Annibale Salsa
LimmatVerlag € 38,00

Anna Maria Bacher, geboren 1947 in Gurfulu/Grovella im piemontesischen Pomattertal/Val Formazza. Das „Täli“, wie die Autorin es nennt. Sie lebt und arbeitet bei Domodossola und widmet sich vor allem der Erhaltung und Förderung ihrer heimatlichen Walserkultur. Ein zentraler Aspekt ist die alte Walsersprache, mit der sogar viele Schweizer ihre Schwierigkeit haben. Frau Bacher nennt diese Sprache „Titsch“ und einen Eindruck davon erhalten wir in dem hier vorgestellten Gedichtband.

«Diese Texte in walserdeutscher Sprache faszinierten mich sofort durch ihren Klang, die Fantasie und die Knappheit der Darstellung», schreibt der Schweizer Komponist Martin Derungs, der sieben Gedichte von Anna Maria Bacher vertont hat. Die unverwechselbare Stimme der aus dem piemontesischen Val Formazza (Pomatt) stammenden Lyrikerin erregte bereits 2011 an den Solothurner Literaturtagen Aufsehen mit dem Gedichtband Kfarwät Schpurä – Farbige Spuren.
Tracce colorate.

Diese Gedichtsammlung zeigt mit seinen 67 Gedichten einen Querschnitt aus der Arbeit der Autorin. Die Verbundenheit der Dichterin mit der Sprache und Kultur ihrer walserischen Bergheimat steht im Mittelpunkt. Sie weiß um deren Gefährdung, der sie nicht lautstark, aber umso eindringlicher mit den «rumori del silenzio» (Annibale Salsa), den Geräuschen der Stille, begegnet. Gefährdung, daß ihre Heimat verschwindet, daß niemand mehr diese alte Sprache spricht, daß Menschen aus dem Täli wegziehen.Sie schreibt über die Natur, die Jahreszeiten (wobei ihr der Herbst am Wichtigsten zu sein scheint). Sie schreibt in einem oft sehnsüchtigen, melancholischen Ton, über ihren Mann, ihren Vetter, über die Liebe und deren Verlust. Sie können dabei nicht nur die deutsche Version lesen, sondern auch die italienische, die fließend über die Lippen geht. Mit dem Walserdeutschen hatte ich so meine Probleme, ging dann aber ran, als wäre es Schwäbisch. Und irgendwie ….
Ich habe vom Verlag die Genehmigung zur Veröffentlichung von drei Gedichten bekommen.
Vielen Dank dafür.

Gebet im Morgengrauen

Er gähnt
und streckt sich,
der Morgen.
Der Buchfink beginnt zu singen.
Ein Frösteln geht über die Erde:
Gräser und Bäume richten sich auf
und kämmen ihr Haar,
ich tue es ihnen gleich.
Ach, Sonne, komm
und kraule
mit zärtlichen Fingern
ins Herz des Tales,
reiche seiner Seele
deine Wärme.

Gibätt äm Grawätag

Är geinut
un schtrekchtschi
der Morgä.
Der Schniär faat a singä.
Än Grimä get der dä Härd ferbii:
Gras un Beim schtêtzänschi
un wekkän êru Haar,
êch öw dermêt.
Ach, Sunna, chu
mêt lêplichä Fingru
ins Härtz fam Tälli
chu wêlä,
klenk schir Seel
dini Wermi!

Preghiera all’alba

Sbadiglia
e si stiracchia
il mattino.
Il fringuello inizia il suo canto.
Un brivido attraversa la terra:
erbe e piante si rizzano
e muovono le loro chiome,
anch’ io con loro.
O sole, vieni
con amorevoli dita
a rovistare
nel cuore della valle,
tendi il tuo calore
alla sua anima!
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Der Frühling

Auf grünen Samtpfoten
ist er unerwartet gekommen:
Jeder Tritt
verwandelt sich in Blumen,
die mit taufrischen Augen
sich öffnen.
Wie ein Schmetterling
schwebe ich
über so viel Schönheit
und überlasse mich
den duftenden Wörtern
des Windes.

Der Langsê

Uf grêêni Samätföössjê
êschtär ineimaal ärschênä:
nêtwädärä Trêtt
ändrätschi in Blêma
wa schi ütöt
mêt Töwöigä.
Wê Fligholderna
leigäni rundum
uf äsoti Hêpschi
un laami la gaa
uf dä kschmakchtä Wertru
fam Wênn.

La primavera

È apparsa all’improvviso
su verdi piedini di velluto:
ogni passo
si trasforma in iore
che si schiude
con occhi di rugiada.
Come farfalla
volteggio
sopra tanta bellezza
e mi abbandono
alle parole profumate
del vento.
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Augenblicke

Am heiteren Himmel
pulsiert lieblich
das Feuer der Sonne.
Durchsichtig fliesst der Bach,
der Fisch zittert.

Auf einmal
kommt
ein frischer Wind auf,
er küsst das Bächlein
und macht der Sonne den Hof.

Die Sonne erschauert,
zittert vor Lust
und glänzt;
das Wasser kräuselt sich in Wellen
und schäumt vor lauter Liebe.

Öigublêkch

Im hettärä Hêmmel
pulsêrt lêplich
z Fiir fa der Sunnu.
Dêrsêchtigi löit t Riis,
der Fêsch êscht Zêttäriisch.

Ineimaal
grosärtigä
chun der Wênn ingägä,
är muntschänut z Riisjulti
un machut der Sunnu hêpsch.

Der Sunnu gengän t Grimä,
schi zêtträlät for Luscht
un glêtzt;
z Wasser rêmptschi in Wällä
un machutschi Schüm for barär Lêbi.

Colpo d’occhio

Nel cielo terso
il fuoco del sole
palpita lieve.
Limpido scorre il iume,
la trota vibra luce.

All’improvviso
con aria baldanzosa
avanza il vento
che bacia il iumicello
e fa la corte al sole.

Rabbrividisce,
tremula di piacere
e brilla l’astro;
s’increspa l’acqua in onde,
si fa spuma d’amore.

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