Donnerstag, 6.Juli

Heute haben
Unica Zürn * 1916
Bernhard Schlink * 1944
Bodo Kirchhoff * 1948
Hilary Mantel * 1952
Geburtstag.
Aber auch Roger Cicero, Dalai Lama, Bill Haley und Hanns Eisler.

Hermann Hesse
Julikinder

Wir Kinder im Juli geboren
Lieben den Duft des weißen Jasmin,
Wir wandern an blühenden Gärten hin,
Still und in schwere Träume verloren.

Unser Bruder ist der scharlachene Mohn,
Der brennt in flackernden roten Schauern
Im Ährenfeld und auf den heißen Mauern,
Dann treibt seine Blätter der Wind davon.

Wie eine Julinacht will unser Leben
Traumbeladen seinen Reigen vollenden,
Träumen und heißen Erntefesten ergeben,
Kränze von Ähren und rotem Mohn in den Händen.

Sophie Janjanin empfiehlt:
(Das Buch ist leider vergriffen, aber in der Stadtbibliothek auszuleihen)

205

Stef Penney: „Die Zärtlichkeit der Wölfe“
Aus dem Englischen von Stefanie Retterbusch
Goldmann Verlag € 8,95

Die Eiseskälte im kanadischen Winter tötet jegliche menschliche Regung? Falsch gedacht. Dass auch Siedler, die zum Ende des 19. Jahrhunderts Zuflucht in die Einöde suchen, nicht vor Gewalt, Hass, aber auch Liebe gefeit sind, beweist das Buch „Die Zärtlichkeit der Wölfe“ von Stef Penney (*1969).

Obwohl die Autorin selbst nie in Kanada war, beschreibt die Schottin die einsamen Weiten mit ihren Indianern, Pelzjägern und den Siedlern in einer klaren Einfachheit, deren Wortgewalt mich unmittelbar in die Wildnis versetzt hat.

Die Geschichte scheint zunächst nicht ungewöhnlich für eine Handlung zur Siedlerzeit: Über den kleinen Ort Dove River ist der Winter hereingebrochen, als der Pelzhändler Laurent Jammet ermordet und skalpiert in seiner Hütte aufgefunden wird. Zeitgleich verschwindet Francis, der stille, eigenbrötlerische Adoptivsohn des Ehepaares Ross, so dass er bei den Bewohnern schnell in Verdacht gerät, etwas mit dem Mord zu tun zu haben.

Doch die Lösung des Rätsels um Jammets Tod ist nur die Rahmenhandlung für Penneys Buch. Vielmehr zeichnet sie ein Portrait des kleinen Ortes und der menschlichen Beziehungen in der so bunt zusammengewürfelten Gesellschaft, die mitten im Nirgendwo ums Überleben kämpft. Ein ungewöhnlicher, faszinierender Roman, der weit über den romantischen Mythos der Siedler hinausgeht.

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