Mittwoch, 16.August

Heute haben
Fabrizia Ramondino * 1936
Knut Faldbakken * 1941
Wolfgang Hilbig * 1941
Geburtstag
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Heute auf dem Duden Lyrikkalender:

Hugo von Hofmannsthal
Ballade des äußeren Lebens

Und Kinder wachsen auf mit tiefen Augen,
Die von nichts wissen, wachsen auf und sterben,
Und alle Menschen gehen ihre Wege.

Und süße Früchte werden aus den herben
Und fallen nachts wie tote Vögel nieder
Und liegen wenig Tage und verderben.
Und immer weht der Wind, und immer wieder
Vernehmen wir und reden viele Worte

Und spüren Lust und Müdigkeit der Glieder.
Und Straßen laufen durch das Gras, und Orte
Sind da und dort, voll Fackeln, Bäumen, Teichen,
Und drohende, und totenhaft verdorrte …
Wozu sind diese aufgebaut und gleichen

Einander nie? und sind unzählig viele?
Was wechselt Lachen, Weinen und Erbleichen?
Was frommt das alles uns und diese Spiele,
Die wir doch groß und ewig einsam sind
Und wandernd nimmer suchen irgend Ziele?

Was frommts, dergleichen viel gesehen haben?
Und dennoch sagt der viel, der »Abend« sagt,
Ein Wort, daraus Tiefsinn und Trauer rinnt
Wie schwerer Honig aus den hohlen Waben.
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Tipp des Tages:

9783407822154

Stefanie Höfler:Tanz der Tiefseequalle
Jugendbuch ab 12 Jahren
Beltz&Gelberg Verlag  € 12,95

Auszeichnungen:
Die besten 7 Bücher für junge Leser (Deutschlandfunk), Mai 2017
Monats-LUCHS (ZEIT/ Radio Bremen), März 2017

Nach „Sommer mit Mucks“ habe ich mich auf das neue Buch von Stefanie Höfler gefreut und wurde nicht enttäuscht, sondern war überrascht, wie sie ein heikles und viele abgelutschte Themen so gekonnt angeht.
Im Mittelpunkt steht die schöne Sera, die ägyptische Wurzeln hat, und Niko, der nicht nur dick, sondern den die Autorin als fett beschreibt. Die beiden 14jährigen sind wie zwei Gegenpole. Sera fallen Herzen zu, sie steht im Mittelpunkt, ist beliebt und hat diesbezüglich keine Sorgen. Die übergroße Umsorgung ihrer Familie ist das einzige, was ihr zu schaffen macht. Bei Niko ist das genau anders. Er wird vom Klassenboss gehänselt, sein Schulranzen landet schon mal im Baum auf dem Schulhof. Sport ist für ihn Folter, keiner will etwas mit ihm zu tun haben. Seine Eltern sind getrennt und er lebt bei seiner Großmutter. Gelassen, wie Niko mit den Hänseleien umgeht, verwundert Sera und wir können uns nicht vorstellen, dass es zwischen den beiden zu einer Annäherung kommen kann.
Nikos Gelassenheit ist jedoch antrainiert. Er erfindet in seiner Phantasie Anzüge, Getränke, Instrumente, die ihn übermächtig machen. Dadurch erträgt er seine Situation (von außen gesehen) locker. Ihm zur Seite stehen ein ebenfalls sehr dicker Automechaniker und ein hyperaktiver Kumpel.
Stefanie Höfler hat hiermit eine handvoll Themen, die sie genial miteinander verknüpft. Mit denen sie spielt und mit denen sie uns immer wieder überrascht.
Ist Dicksein immer hässlich? Will Niko als Dicker unbedingt schlank sein? Haben Dicke immer Hunger?
Wieviel Wert legt unsere Gesellschaft auf Schönheit?
Gleichzeitig geht es um Mobbing, Respekt, Klassengemeinschaft, Kindheit, Erwachsenwerden.
Ein Jugendroman, dem ich noch viele Preise wünsche und noch viel viel mehr LeserInnen, auch Erwachsene.

Und dann gibt es noch das:

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