Heute haben
Heinrich von Kleist * 1777
Henri Bergson * 1859 (Nobelpreis 1927)
Tibor Déry * 1894
und auch Klaus Kinski * 1926
und Lotte Lenya * 1898
Geburtstag.
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Heinrich von Kleist
Freund, versäume nicht zu leben…

Freund, versäume nicht zu leben,
Denn die Jahre fliehn;
Und es wird der Saft der Reben
Uns nicht lange glühn!
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Das Oktober-Heft aus dem Reclam Verlag stellen wir diesen Monat viel zu spät vor. Vielleicht liegt es daran, dass wir so unglaublich schönes, warmes Wetter haben und gar nicht wahrhaben wollen, dass der Oktober auch seine andere Seiten hat. Die werden schon noch kommen.
Das November-Heft liegt bereit, für den Fall, dass jemand reinspickeln will.

Oktober
Gedichte
Ausgewählt von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell
Reclam Verlag € 5,00

Robert Walser, Carl Zuckmayer, Rose Ausländer, Ingeborg Bachmann, Christoph Meckel, Friederike Mayröcker, Kaschnitz, Kunze, Jandl, Artmann, Rilke, Gernhardt, und und und.
In gewohnter Art führen uns die beiden Herausgeberinnen durch den Monat Oktober. Vom Spätsommer, bis zum kalten Herbst ist alles dabei. Nur kein Goethe. Den mögen die beiden wohl nicht. Oder sie brauchen ihn nicht, weil sie so viele andere AutorInnen haben.
Hier eine kleine Auswahl:

Detlev von Liliencron
Herbst

Astern blühen schon im Garten;
Schwächer trifft der Sonnenpfeil
Blumen die den Tod erwarten
Durch des Frostes Henkerbeil.

Brauner dunkelt längst die Haide,
Blätter zittern durch die Luft.
Und es liegen Wald und Weide
Unbewegt im blauen Duft.

Pfirsich an der Gartenmauer,
Kranich auf der Winterflucht.
Herbstes Freuden, Herbstes Trauer,
Welke Rosen, reife Frucht.

Theodor Fontane
Spätherbs
t

Schon mischt sich Rot in der Blätter Grün,
Reseden und Astern sind im Verblühn,
Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht,
Der Herbst ist da, das Jahr wird spät.

Und doch (ob Herbst auch) die Sonne glüht, –
Weg drum mit der Schwermut aus deinem Gemüt!
Banne die Sorge, genieße, was frommt,
Eh’ Stille, Schnee und Winter kommt.

Nikolaus von Lenau
Herbstgefühl

Mürrisch braust der Eichenwald,
Aller Himmel ist umzogen,
Und dem Wandrer, rauh und kalt,
Kommt der Herbstwind nachgeflogen.

Wie der Wind zu Herbsteszeit
Mordend hinsaust in den Wäldern,
Weht mir die Vergangenheit
Von des Glückes Stoppelfeldern.

An den Bäumen, welk und matt,
Schwebt des Laubes letzte Neige,
Niedertaumelt Blatt auf Blatt
Und verhüllt die Waldessteige;

Immer dichter fällt es, will
mir den Reisepfad verderben,
Daß ich lieber halte still,
Gleich am Orte hier zu sterben.

Christian Morgenstern
Oktobersturm

Schwankende Bäume
im Abendrot –
Lebenssturmträume
vor purpurnem Tod –

Blättergeplauder –
wirbelnder Hauf –
nachtkalte Schauder
rauschen herauf.

Friedrich Rückert
Herbsthauch

Herz, nun so alt und noch immer nicht klug,
Hoffst du von Tagen zu Tagen,
Was dir der blühende Frühling nicht trug,
Werde der Herbst dir noch tragen!

Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
Immer zu schmeicheln, zu kosen.
Rosen entfaltet am Morgen sein Hauch,
Abends verstreut er die Rosen.

Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
Bis er ihn völlig gelichtet.
Alles, o Herz, ist ein Wind und ein Hauch,
Was wir geliebt und gedichtet.

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Dienstag, 10.Oktober

Heute haben
Ivo Andric * 1892 (Nobelpreis 1961)
Claude Simon (Nobelpreis 1985)
James Clavell * 1925
Harold Pinter * 1930 (Nobelpreis 2005)
Jonathan Littell * 1967
Geburtstag.
Drei Literatur Nobelpreisträger, das ist ein Wort!
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Detlev von Liliencron
Herbst

Astern blühen schon im Garten;
Schwächer trifft der Sonnenpfeil
Blumen, die den Tod erwarten
Durch des Frostes Henkerbeil.

Brauner dunkelt längst die Heide,
Blätter zittern durch die Luft.
Und es liegen Wald und Weide
Unbewegt im blauen Duft.

Pfirsich an der Gartenmauer,
Kranich auf der Winterflucht.
Herbstes Freuden, Herbstes Trauer,
Welke Rosen, reife Frucht.
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Cruschiform:COLORAMA
Das Buch der Farben
Prestel Verlag € 25,00
Ab 8 Jahren

Ich habe noch nie etwas von Cruschiform gehört, gelesen, oder gesehen. Zumindest nicht bewusst.
„Cruschiform ist ein französisches Kreativstudio mit Sitz in Paris, das sich auf Illustrationen und Grafik-Design spezialisiert hat. Das Studio wurde 2007 von Marie-Laure Cruschi gegründet.“, so schreibt es der Prestel Verlag und wenn Sie sich die website der Firma ansehen, werden Sie sicherlich genau so staunen, wie ich.
Cruschiform

Letzte Woche habe ich schon ein Buch voller Farben vorgestellt. Es war ein Buch für Erwachsene und es war ein französisches Produkt. Genauso wie dieses hier.
Unsere Welt ist nicht nur Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo oder Violett – die sieben Farben des Regenbogens zeigen nur einen Bruchteil unseres Farbspektrums. 133 Farbtöne aus der Natur und der menschlichen Zivilisation bilden das Spektrum dieses Buches:
Wir blättern uns durch diese Farbpalette, bekommen links eine Illustration eines Gegenstandes aus dem Alltag, ein Tier, eine Pflanze, einen dazugehörenden Farbnamen und eine kurze Erläuterung dazu. Rechts dann diese Farbe flächig auf einer ganzen Seite.


Wir alle kennen Kardinalrot, Karminrot oder Safrangelb, aber wer weiß schon, warum Flamingos pink sind oder der Mond weiß? Warum die Farben so heißen bzw. was sie mit den Bildern verbindet, das erklärt der Text unter der Illustration auf sehr eingängige und poetische Weise.
Schön ist der Anfang mit den Weiß-Tönen, die wie rechts kaum oder gar nicht erkennen können, bis so ganz langsam ein gelblicher, ein bläulicher Ton ins Weiß mischt.
Und es gibt viele Informationen in dem sehr schön gestalteten Buch, die ich vorher noch nicht wusste.
Warum früher englische Rennautos grün waren und italienische (Ferrari) rot. Was es mit dem Gesichtspuder auf sich hat und warum Tennisfelder mit rotem Sand ausgelegt sind. (Das ist wirklich sehr lustig).
Es ist eine richtige Freude, sich durch das Buch zublättern.


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Robert Menasse hat für seinen Roman: „Die Hauptstadt“ den Deutschen Buchpreis 2017 erhalten.
Wir haben genügend Exemplare vorrätig und Sie können sich sofort damit eindecken.
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Nicht vergessen:

Am Donnerstag liest Stefan Ferdinand Etgeton aus seinem Buch: „Das Glück meines Bruders“ bei uns in der Buchhandlung.
Beginn ist 19 Uhr.

Donnerstag, 21.September

Heute haben
HG Wells * 1866
Leonard Cohen * 1934
Klaus Kordon * 1934
Stephen King * 1947
Frédéric Beigbeder * 1965
Geburtstag
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Heute im Gedichte Kalender

Friedrich Hölderlin
An die Parzen

Nur Einen Sommer gönnt, ihr Gewaltigen!
Und einen Herbst zu reifem Gesange mir,
Daß williger mein Herz, vom süßen
Spiele gesättiget, dann mir sterbe.

Die Seele, der im Leben ihr göttlich Recht
Nicht ward, sie ruht auch drunten im Orkus nicht;
Doch ist mir einst das Heilge, das am
Herzen mir liegt, das Gedicht, gelungen,

Willkommen dann, o Stille der Schattenwelt!
Zufrieden bin ich, wenn auch mein Saitenspiel
Mich nicht hinab geleitet; Einmal
Lebt ich, wie Götter, und mehr bedarfs nicht.
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Unser Buchtipp:

Hervé Le Tellier:Ich und der Präsident
Ein Briefroman
Aus dem Französischen von Jürgen und Romy Ritte
dtv € 8,00

„Weil er er war,
weil ich ich war“
Michel de Montaigne

Dies hat Tellier seinem Brief-Spaß-Roman vorneweggestellt. Passt.

Das wünscht sich doch jeder. Eine Antwort auf einen Brief an eine große Persönlichkeit zu bekommen. Tellier hat an den damaligen französischen Präsidenten Mitterand geschrieben. Es begann mit einer Urlaubspostkarte und er bekam eine Antwort. Aber was für eine. Es war natürlich ein Formblattr mit einer Unterschrift. Tellier nahm dies jedoch persönlich und schreib weiter an seinen neuen Brieffreund, den er dann auch gleich mal Francois nannte. Und jedes Mal – zack – bekam er Post.
So entwickelte sich eine langandauernde Brieffreundschaft. Tellier mit seinen Briefen und Postkarten, das Büro von Mitterand mit seinen Fromblättern. Er fühlt sich verstanden und gut aufgehoben von und mit seinem Präsidenten, so dass er diesen Briefwechsel mit Mitterrands Nachfolgern Chirac, Sarkozy, Hollande und Macron einfach fortführte.
Ein großes Vergnügen, bei dem ich nicht weiß, wie, wann, wo der Autor Tellier flunkert.
Ist mir ja auch egal.
Schauen Sie bitte in die Leseprobe. Es lohnt sich:

Leseprobe