Donnerstag, 30.November

Heute haben
Jonathan Swift * 1667
Theodor Mommsen * 1817
Ippolito Nievo * 1831
Mark Twain * 1835
Winston Churchill * 1874
Thomas Hettche * 1964
Geburtstag
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Theodor Storm
An Theodor Mommsen

Die Welt ist voll von Sommerlüften,
Und ich plädiere im Gericht;
In Aktenstaub und Moderdüften
Versinkt das liebe Sonnenlicht.

So scheidet mich allaugenblicklich
Mein Amt aus dieser Sommerzeit –
Nicht jeder ist, mein Freund, so glücklich
Wie Sie in seiner Tätigkeit.

Wenn Sie in Bummelsehnsuchtsstillung
Sich wärmen nicht im Sonnenlicht,
So schaun Sie als Berufserfüllung
Den schmucken Dirnen ins Gesicht.
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

Norman Ohler:Die Gleichung des Lebens
Kiepenheuer & Witsch Verlag € 22,00

Es ist der Sommer 1747, der Oderbruch, nur von Fischern bewohnt und immer wieder von Überschwemmungen heimgesucht, ist Schauplatz dieses tollen spannenden Romanes. Friedrich der Große hat große Pläne, möchte dieses Sumpfgebiet östlich von Berlin trockenlegen, um Flüchtlinge anzusiedeln. Wo noch Fische, Schildkröten und Wasservögel in überwältigender Artenvielfalt leben, sollen Kühe grasen und Kartoffeln wachsen. Aber unter den wendischen Fischer herrscht Unruhe, die Einen fürchten um ihr täglich Brot, andere befürworten diesen Plan und sehen eine Segen im Deichbau, der die großen Überschwemmungen im Zaum halten soll.
Der für den Deichbau beauftragte Ingenieur wird tot aufgefunden, was die Sache nur noch heikler macht, da er mit einem Speer umgebracht wurde, der nur im Besitz von zwei wendischen Fischern ist. Friedrich der Große beauftragt den Mathematiker Euler, die Berechnungen und Ermittlungen zu übernehmen und dieser gerät immer mehr in den Strudel der Ereignisse.
Ein historischer Roman, der fast ein Spiegelbild unserer Gegenwart ist: Angst vor den Fremden, wirtschaftliche Interessen und viele Intrigen.
Viel Spaß macht die Episode, wenn Friedrich seinen hochkarätigen Gästen ein komplettes Menu nur aus Kartoffeln servieren lässt. Keiner hat je dieses unbekannte Gemüse gegessen, es wird ganz vorsichtig probiert und Erstaunen über diesen köstlichen Geschmack breitet sich aus. Sogar das Dessert besteht aus Kartoffeln mit Quark und nun ist auch der letzte Skeptiker, der sich einstmals mit dem Genuss von Kartoffelkraut den Magen verdorben hatte, von der Notwendigkeit des Kartoffelanbaus überzeugt.
Unvorstellbar ist doch für uns ein Leben ohne Kartoffeln … auch wenn wir unsere Spätzle haben!

Norman Ohler wurde 1970 im pfälzischen Zweibrücken geboren. Nach dem Abitur schrieb er 1990 seine erste Novelle „Der Reporter“. Mit 22 Jahren besuchte er die renommierte Hamburger Journalistenschule, es folgten Arbeiten für die Zeitschriften „Spiegel“, „Stern“ und „Geo“.

Leseprobe
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ACQUA & RECORTES

Choreografien von Roberto Scafati und Gustavo Ramírez Sansano
Musik von und mit Jürgen Grözinger
Mit zwei neuen Choreografien beginnt die Ballettsaison im Großen Haus. Nach der Uraufführung vergangene Spielzeit in Münster erarbeitet Gustavo Ramírez Sansono nun für das Theater Ulm RECORTES (Erinnerungen). Sansano – hoch angesehen in der internationalen Tanz-Szene – entwirft nach seiner umjubelten Premiere mit EL BESO in der letzten Spielzeit nun eine Choreografie, die Identität und Erinnerung in eine spannungsreiche Beziehung setzt. Als Bezugspunkt dient dem spanischen Meisterchoreografen dabei ein Gedanke von Jorge Luis Borges: „Wir sind unsere Erinnerungen, wir sind dies schimärische Museum wechselnder Formen, ein Gebilde zerbrochener Spiegel.“
Ballettdirektor Roberto Scafati zeigt eine Uraufführung unter dem Titel ACQUA (Wasser). Das nur scheinbar so vertraute Element birgt für ihn Geheimnisse und Energien, die im praktischen Umgang dem Betrachter verschlossen bleiben und sich nur dem künstlerischen Blick öffnen. Unterstützt wird Scafati und die Ulmer Compagnie dabei vom Komponisten Jürgen Grözinger, der eigens für diese Choreografie eine neue Komposition konzipiert hat, die er live bei den Vorstellungen spielen wird.

Mittwoch, 29.November

Heute haben
Wilhelm Hauff * 1802
Carlo Levi * 1902
Gerti Tetzner * 1936
Geburtstag
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Wilhelm Hauff
Amor der Räuber

Nach dem Italienischen

Die Unschuld saß in grüner Laube,
Sie hielt ein Täubchen in dem Schoß;
Und Amor kam: »Gib mir die Taube;
Ein Weilchen nur gib deine Taube«,
Die Unschuld ließ sie lächelnd los,
Doch hielt sie Täubchen an dem Band,
Das sich um Täubchens Flügel wand.

Doch kaum hat er die weiße Taube;
So schneidet er den Faden ab;
Und höhnisch lachend mit dem Raube
Entflieht der Räuber aus der Laube
Und nimmer kehrt der lose Knab.
Und als ihr Täubchen nimmer kam,
Ward sie dem Räuber ewig gram.
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9783836956024

Julie Völk:Stille Nacht, fröhliche Nacht
Gerstenberg Verlag € 16,95
Bilderbuch ab 4 Jahren

Ein Bilderbuch ohne Worte, das so viel zu erzählen hat.
Und vielleicht sollte ich gar nicht so viel darüber schreiben, sondern die Bilder für sich sprechen lassen. In ihrer ganz eigenen Art hat Julie Völk dieses anrührende „Weihnachts“-Buch gestaltet. Ganz anders als die allermeisten knallbunten Bilderbücher. Doch bin ich fest davon überzeugt, dass wir mit den Kleinen einen großen Spaß beim Entdecken haben werden.
In einer funkelnden Schneelandschaft nähert sich am Horizont eine bunte, fröhliche Karawane. Ein Zirkus! Will er in die Stadt, in der die Menschen in emsiger Vorfreude auf Weihnachten die letzten Dinge erledigen? Nein, die Wagen ziehen weiter, denn sie werden schon sehnlichst erwartet: Vor einem hell erleuchteten gemütlichen Haus warten Mutter und Kind auf ihre Lieben, um ein wunderschönes Weihnachtsfest vorzubereiten und zu feiern. Julie Völk erzählt in ihrer ganz eigenen Bildsprache und ohne ein einziges Wort von dem, was Weihnachten ausmacht: Von Vorfreude, vom Zusammenkommen, von gemeinsam erlebter glücklicher Zeit, die nachklingt, wenn die stille und fröhliche Nacht vorbei ist.
Das hat mich immer wieder an „Die hellen Tage“ von Zsuzsa Bánk erinnert. Das kleine Haus mit der schiefen Gartentür, der Zirkus-Papá, der nur selten zu Hause war. Dann aber von seinen Reisen berichtete.
Lassen Sie sich gefangennehmen von den Bildern und lassen Sie Ihren eigenen, eigenen Bildern freien Lauf.

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Auch das kam von ihr in diesem Herbst auf den Markt:

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Julie Völk, geb. 1985 in Wien, wuchs im ländlichen Niedersachsen auf. Sie studierte an der HAW in Hamburg Illustration. Ihr Debüt „Das Löwenmädchen“ ist gleich mit dem Nachwuchspreis Serafina und dem Troisdorfer Bilderbuchpreis 2015 ausgezeichnet worden. Für ihr zweites Bilderbuch „Guten Morgen, kleine Straßenbahn!“ erhält sie den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2017. Die Künstlerin lebt mit ihrer Familie in Niederösterreich.

www.julievoelk.de