Mittwoch, 25.Januar

img_1627

Heute haben
Virginia Woolf * 1882
Eva Zeller * 1923
Silvio Blatter * 1946
David Grossman * 1954
Alessandro Baricco * 1958
Geburtstag
_____________________

sam_7872

Foto: Florian Arnold

Gestern abend hatten wir ein literarisches Highlight in unserer Buchhandlung.
Carlos Peter Reinelt las seinen Text „Willkommen und Abschied„.
Die Buchhandlung füllte sich zu einer angenehmen, interessierten Runde. Schön war es auch, daß drei syrische junge Männer sich in die erste Reihe setzten. Sie sind in der Ulmer ADK, um Schauspiel und Regie zu lernen. Nach der Veranstaltung kamen sie und Reinelt ins Gespräch und sie wollen seinen Text in ihr Projekt einbauen.
Reinelt war gerade mal 20 Jahre alt, als im August 2015 ein Kühllaster mit Menschen darin, auf der Autobahn abgestellt wurde und alle Flüchtlinge darin erstickten.

sam_7918

Sein Text enstand dann in einem Urlaub in Spanien, wobei er sich über die Form nicht im Klaren war. Er wollte zuerst etwas im Thomas Mann-Stil. Später kam dann das Problem dazu, daß der Mann, der diesen Monolog hält, am Ende des Textes tot ist. So kam er auch parallel auf die Idee der besonderen Gestaltung. Sein Text ist eingerahmt und umrahmt von den Worten „Willkommen und Abschied“. Der Rahmen entspricht den Maßen des Kleinlasters. Und so eingezwängt wird der Text immer dunkler. Bis nur noch schwarz zu sehen ist. Die Schrift ist mal normal, mal groß und fett (wenn der junge Mnn brüllt und schreit) und auch klein und zart (wenn er leiser wird und nachdenkt). Zum Schluß sehen wir nur noch kleine arbaische Schrift. Und so las Carlos Reinelt auch seinen Text vor. Er fragte mich im Vorfeld, ob er auch einen Tisch hätte. Na klar, sagte ich und dachte nicht weiter nach. Daß ein Tisch für seinen Vortrag jedoch sehr wichtig wird, erlebten wir dann später, als er seinen Protagonisten gegen die Wände des Lasters donnern läßt und er dieses Geräusch mit der Faust auf dem Tisch nachahmte.
Der Schrecken ist bei uns angekommen, sagte er, und nicht nur in den Nachrichten zu sehen. Genau diese Betroffenheit spürten wir gestern abend in der Buchhandlung. Wir lesen über ertrunkene Flüchtlinge und blättern weiter. Dieser Text, dieser Vortrag, ließ uns das Grauen hautnah erspüren.
Totenstille (ja, das Wort trifft wirklich zu) war es nach der halben Stunde, in der Carlos Reinelt gelesen hat. Umso freundlicher wurde danach in kleiner Runde mit dem Autoren diskutiert.

img_1644

img_1646

9783835319745l

Carlos Peter Reinelt: „Willkommen und Abschied“
Wallstein Verlag € 9,40
___________________________

Werner Färbers Ungereimtheit der Woche
Kleine Verwechslung

Wenn eine Schlange hüpft durchs Gras,
während ein Frosch kriecht an sie ran,
beschleicht mich das Gefühl, dass das,
was hier passiert, nicht stimmen kann.

 

Samstag, 24.Dezember

Heute haben
W.M.Thackeray * 1863
J.R.Jiménez * 1881
Samuek Fischer * 1859
Franco Lucentini * 1920
Angelika Schrobsdorff * 1927
Geburtstag.
Und auch Ingo und Frauke.

62f9e78feb724b94

Foto: Oli Schulz, SWP

Ich wünsche allen Bekannten und Verwandten, meinen Mitarbeiterinnen, allen Kundinnen und Kunden, meiner Familie und Freunden in nah und fern, allen, die ich kenne und auch denen, die ich nicht kenne, einfach allen, egal an welchen Gott sie glauben, einen friedlichen Abend, ein warmes Essen und eine gemütliche Schlafstätte.
Und wenn es des Wünschens nicht zu viel ist, könnte dieser Zustand auch länger anhalten.

241

242

Freitag, 23.Dezember

img_1368

Wir haben den 3.Platz beim Wettbewerb des Wagenbach Verlages gewonnen. 3 Flaschen Wein. Eine ist schon getrunken. Dank und Grüße nach Berlin.

Heute haben
Martin Opitz * 1597
Albert Ehrenstein *1886
Friedrich Wolf * 1888
Guiseppe Tomasi di Lampedusa * 1896
Donna Tartt * 1963
Geburtstag.
Namenstag hat heute u.a. Dagobert. Passt zu den vielen Münzen, die in den Kassen klimpern.
_________________________

Martin Opitz
Sonnet XXXII

AV weh! ich bin in tausend tausend Schmertzen
Vnd tausend noch! die Seufftzer sind vmbsunst
Herauff geholt; kein Anschlag / List noch Kunst
Verfengt bey jhr. wie wann im kühlen Mertzen
Der Schnee zugeht durch Krafft der Himmel-kertzen /
Vnd netzt das Feld; so feuchtet meine Brunst
Der Zehren Bach / die noch die minste Gunst
Nicht außgebracht. Mein‘ Augen sind dem Hertzen
Ein schädlichs Gifft: das Dencken an mein Liecht
Macht daß ich jrr‘ / vnd weiß mich selber nicht /
Macht daß ich bin gleich einem blossen Scheine /
Daß kein Gelenck vnd Gliedmaß weder Krafft
Noch Stärcke hat / die andern keinen Safft
Noch Blut nicht mehr / kein Marck nicht die Gebeine.
____________________________

231

232