Samstag, 5.März

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Heute haben
Pier Paolo Pasolini * 1922
Mo Yan * 1955 (Nobelpreis 2012)
Geburtstag.
Aber auch Rosa Luxemburg.
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Unser Tipp des Tages:

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Jenny Valentine:Durchs Feuer
Aus dem Englischen von Klaus Fritz
dtv € 14,95
E-Book € 12,99
Fire Colour One“ € 11,99

Lange musste ich auf den neuen Jugendroman von Jenny Valentine warten. Das hat wohl auch den Grund, dass sie und ihr Vater ein Jahr lang schwer krank waren. Er ist gestorben, sie hat überlebt. Am Grab bemerkte sie, wie gut sie ihren Vater kannte und wie fremd er ihr doch in vielen Dingen war. Sie wollte kein Buch über ihn schreiben, ein Junge sollte im Mittelpunkt stehen. Aber immer mehr drängelte sich Iris in den Mittelpunkt und dann taucht auch noch ein unbekannter, schwer kranker Vater auf, der im Sterben liegt.
Jenny Valentines Vater beschwerte sich, dass in ihren Romanen keine Väter vorkämen. „Womit haben ich das verdient.“, pflegte er zu sagen. „Für meinen Vater“, schreibt Jenny Valentine als Widmung ins neue Buch.

Jenny Valentine ist bekannt durch ihre frechen, witzigen Jugendbücher. Herzhaft lachen kann man auch über die Kiki-Reihe für Kleinere. Auch hier legt sie sofort los, bastelt ihre Personen zu einer gute Mischung zusammen. Im Mittelpunkt steht Iris, die mit sich und ihrer Umgebung nicht wirklich im Reinen ist. Ihre leibliche Mutter ist eine Barbiepuppe, äußerlich und auch im Kopf. Ihr Stiefvater ein verkrachter TV-Serien-Darsteller. Iris zündelt gerne und hat dadurch auch immer wieder Probleme mit der Feuerwehr, der Polizei und stellt sich damit selbst ins Abseits. Als sie von ihrem leiblichen Vater Ernest erfährt, nimmt die Geschichte so richtig Fahrt auf.
Den Eltern möchte man gerne eine scheuern, aber wir lachen beim Lesen lieber über sie. Iris‘ Vater dagegen ist aus ganz anderem Holz geschnitzt und steht als Gegenpol zu diesen hohlen Fassaden. Hier übertreibt Jenny ein wenig, zeichnet zu klischeehaft und ich dachte schon, …. jetzt aber. Doch genau in diesem Moment, wie wenn sie es gespürt hätte, dreht sie an der Einstellschraube und lässt diesen Roman in einem fulminanten Show Down enden. Selten so einen Schluss gelesen. Immer wenn wir meinen, ja, jetzt bekommt ihre geldgierige Mutter noch eins drauf, zieht Jenny Valentine eine weitere Schublade auf und zündet ein nächstes Feuerwerk. Aber damit nicht genug.
Lassen Sie sich überraschen.
Ein ideales Lesefutter, das Kinder wahrscheinlich in einem Rutsch durchlesen und, ich vermute schwer, gleich noch einmal durchblöättern, weil sie beim schnellen Reinfressen, das eine oder andere übersehen haben.

Der dtv Verlag veröffentlichte auf seiner Homepage ein Interview mit der Autorin, das ich hier wiedergebe.

Interview

Frau Valentine, wie sieht für Sie der perfekte Platz zum Schreiben aus?

Das Gute beim Schreiben ist, dass man es überall machen kann. Zu Hause habe ich ein wunderbares Arbeitszimmer mit Holzofen. Im Sommer arbeite ich oft in einem umfunktionierten Pferdeanhänger im Garten. Manchmal schreibe ich aber auch einfach im Bett. Wenn ich auf Reisen bin, kann ich auch gut im Zug arbeiten. Allerdings ist der Ort für mich gar nicht so wichtig. Vielmehr kommt es auf die richtige Stimmung an. Wenn ich mir über etwas sorgen machen oder wenn ich abgelenkt bin, ist es egal wo ich bin – ich bekomm einfach nichts auf Papier.

Sie sind nicht bekannt für typische Teenager-Lovestorys. Auch Ihr neuer Roman ›Durchs Feuer‹ ist tiefgründig und entwickelt gleichzeitig einen Sog, dem man sich als Leser nicht entziehen kann. Wie schaffen Sie es Themen wie Tod, Verlust, aber auch Lebenslust und Komik in einem Buch unterzubringen?

Stimmt, ich bin Liebesgeschichten bislang aus dem Weg gegangen. Jetzt reizt es mich aber doch, eine zu schreiben. Es ist ziemlich schwierig, dabei nicht zu kitschig zu klingen und nicht ins Klischee von der ewigen Liebe und dem Happy End abzudriften, zumal ich selber gar nicht daran glaube. Davor habe ich wirklich Angst. Ehrlich? Tod, Verlust, Lebensfreude und Humor sind im wahren Leben eng miteinander vereint. Daher ist es eigentlich kein so großer Kunstgriff, sie alle zusammen in einem Buch unterzubringen.

Die Tiefe Ihres Romans entsteht besonders durch die Dialoge zwischen der Hauptprotagonistin Iris und ihrem Vater Ernest. Sie sind oft tieftraurig und komisch zugleich. Ist Trauer und Glück für Sie kein Gegenteil?

Es ist nicht so, dass ich glaube, dass Glück und Trauer keine Unterschiede sind – allein weil sie sich so unterschiedlich anfühlen. Aber ich denke, dass Glück und Trauer für jeden sehr nah beieinander liegen.

Das Element Feuer ist ein wichtiger Eckpfeiler Ihres neuen Romans. Welche Symbolkraft steckt hinter der zündelnden Iris?

Ich denke, Iris ist besessen von Feuer, da sie so viel Wut in sich trägt und gleichzeitig so wenig Kontrolle über die Ereignisse in ihrem Leben hat. Das Zündeln fühlt sich für sie an wie ein inneres Aufräumen und wie ein Neubeginn – ein Ausdruck von Zorn und Neustart zugleich. Ich habe gar nicht so viel darüber nachgedacht, als ich das Buch geschrieben habe. Wir leben in einem relativ kalten Haus und verbringen viel Zeit damit, das Kaminfeuer zu schüren und in die Flammen zuschauen. Daher kam wohl die Idee mit dem Feuer.

Ein anderes wichtiges Thema in Ihrem neuen Buch ist die Kunst. Welche Rolle spielt die Kunst in Ihrem Leben?

Für mich handelt die Geschichte von der Macht der Kunst. Kunst kann uns verändern – manchmal für immer, manchmal für ein paar Sekunden. Es geht um die magische Energie, die die Kunst beim Schaffen und auch beim Betrachten besitzt. Iris Freund Thurston etwa ist Künstler, der genau für diese magische Energie lebt. Er leistet Unmögliches, um Augenblicke wieder greifbar zu machen, er kreiert Szenen und sprayt auf Wände und leerstehende Schwimmbecken.
Kunst bedeutet für mich, im Hier und Jetzt zu leben. Wenn ich schreibe, lese, Filme schaue, Musik höre oder eben vor einem Kunstwerk stehe, versuche ich bewusst nicht zu denken, um einfach in diese Magie einzutauchen. Alles ist fließend und gleichzeitig immer verfügbar – eigentlich genau wie das Leben selbst.

Haben Sie beim Schreiben einen bestimmten Leser im Hinterkopf oder konzentrieren Sie sich ganz auf die Story?

NIE! Ich denke nicht an den Leser oder das ich die Schriftstellerin bin. Ich versuche einfach in der Geschichte zu verschwinden.

Was wollen Sie mit dem Buch Ihren Leserinnen und Leser mit auf den Weg geben?

Keine Message. Einfach eine gute Geschichte.

Leseprobe
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Ein halbes Jahr Sonntagsskizzen von Detlef Surrey.
Tätäääää!

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Die 26sten Sonntagsskizzen führen nach Bremen.
Die Stadt mag ich sehr gerne.
Am Wochenende werde ich auch dort sein.

samstag

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Das 23.Türchen vom Besten das Beste

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Heute haben
Martin Opitz * 1597
Albert Ehrenstein * 1886
Friedrich Wolf * 1888
Giuseppe Tomasi di Lampedusa * 1896
Donna Tartt * 1963
Geburtstag
und Helmut Schmidt wäre heute 97 geworden.

„Natürlich hat Kernkraft ihre Risiken. Es gibt aber keine Energie und nichts auf der Welt ohne Risiken, nicht einmal die Liebe.“
Helmut Schmidt
(Da gebe ich dem alten Herren nur zur Hälfte recht.)

Martin Opitz: Ach liebste laß uns eilen

Ach liebste laß uns eilen
Wir haben Zeit
Es schadet das verweilen
Uns beyderseit.
Der Edlen Schönheit Gaben
Fliehen fuß für fuß:
Daß alles was wir haben
Verschwinden muß.
Der Wangen Ziehr verbleichet
Das Haar wird greiß
Der Augen Feuer weichet
Die Brunst wird Eiß.
Das Mündlein von Corallen
Wird umgestalt
Die Händ’ als Schnee verfallen
Und du wirst alt.
Drumb laß uns jetzt geniessen
Der Jugend Frucht
Eh’ wir folgen müssen
Der Jahre Flucht.
Wo du dich selber liebest
So liebe mich
Gieb mir das wann du giebest
Verlier auch ich.

An diß Buch

So wiltu dennoch jetzt auß meinen Händen scheiden
Du kleines Buch vnnd auch mit andern seyn veracht?
Gewiß du weissest nicht wie hönisch man jetzt lacht /
Wie schwerlich sey der Welt Spitzfindigkeit zu meiden.
Es muß ein jeglich Ding der Menschen Vrtheil leiden /
Vnd / ob es tauglich sey / steht nicht in seiner Macht;
Der meiste Theil ist doch auff schmähen nur bedacht /
Vnd denckt was er nicht kan / dasselbe muß’ er neiden.
Noch dennoch (daß du nicht so offt’ vnd viel von mir
Auffs newe dulden dürffst daß ich dich nehme für)
Muß ich dir loß zu seyn vnd außzugehn erleuben.
So ziehe nun nur hin / weils ja dir so gefellt /
Vnd nimb dein Vrtheil an / zieh’ hin / zieh’ in die Welt;
Du hettest aber wol zu Hause können bleiben.

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Für alle Kurzentschlossenen eine kleine Auswahl aus Büchern, die in unserem Buchladen vorrätig sind.
Heute noch bis 18 Uhr, morgen bis 13 Uhr und dann ist Schluss.
Wir freuen uns alle auf die freien Tage, die folgen, um uns zu erholen und bei nächster Gelegenheit (Montag, 28.12.) sind wir wieder für Sie da.
Vielen Dank, dass Sie bei uns einkaufen und den unabhängigen, lokalen (Buch)handel unterstützen.

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Niklas Maak: “Wohnkomplex”
Warum wir ander Häuser brauchen
Hanser Verlag € 21,90

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Andreas Maier: “Der Ort”
Suhrkamp Verlag € 17,95

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Davide Longo: “Der Fall Bramard”
Aus dem Italienischen von Barbara Kleiner
Rowohlt Verlag € 19,95
eBook € 16,99

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Bobbie Pyron: “Plötzlich Glückspilz”
Aus dem Amerikanischen von Gerda Bean
Thienemann Verlag € 12,99
als eBook € 9,99
Kinderbuch ab 10 Jahren

Rheinpfalz neu 700

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Ralf Rothmann: “Im Frühling sterben”
Suhrkamp Verlag € 19,95
Auch als eBook erhältlich
Hörbuch 6 CDs, 450 Minuten € 19,99
Gelesen von Thomas Sarbacher

Nacht

Matthias Morgenroth: “Freunde der Nacht”
Mit Illustrationen von Regina Kehn
dtv, fest gebundenen € 14,95
Kinderbuch ab 10 Jahren

1 food
“Food Trucks” herausgegeben von Toby Binder, Gabriela Herpell,
Birthe Steinbeck, Nicola von Velsen

Kreative Küche auf Rädern
Prestel Verlag € 29,95

Einband

Rian Visser, Noëlle Smit: “Theodor trödelt”
Aus dem Niederländischen von Meike Blatnik
Tulipan Verlag 12,90
Bilderbuch ab 4 Jahren

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Wolfgang Herrndorf: “Gesamtausgabe”
Rowohlt Verlag € 49,95

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810 Minuten auf 11 CDs für € 29,95
oder auf 2 MP3-CDs für € 16,95

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Linda Sarah / Benji Davies: “Beste Freunde”
Aus dem Englischen von Johanna Hohnhold
Aladin Verlag € 12,90
Bilderbuch ab 4 Jahren

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Thilo Bode: “Die Freihandelslüge”
Warum TTIP nur den Konzernen nützt – und uns allen schadet
Mitarbeit von Stefan Scheytt
DVA € 14,99
als eBook € 11,99

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Jami Attenberg: “Saint Mazie”
Grand Central Publ. / Hachette

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Montag

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Die Kröten sind wieder da und im Teich wimmelt es von ihnen.
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Heute haben
Alexander Roda Roda * 1872
Samuel Beckett * 1906
Stephan Hermlin * 1915
Seamus Heaney * 1939
Zeruya Shalev * 1959
Geburtstag
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Barbara Honigmann: „Chronik meiner Straße“
Hanser Verlag € 16,69
Als eBook € 12,99

Barbara Honigmann verließ mit ihrer Familie 1984 die DDR und zog Richtung Westen. Und zwar gleich soweit, dass sie zwar aus Deutschland rausging und in Frankreich landete. Allerdings dort ganz im Osten, in Straßburg und da auch im Osten, wiederum in Richtung Deutschland. Sie fanden eine Bleibe in der Rue Edel, eigentlich ein Profisorium, wie sie immer wieder im Buch betont, eine Straße für den Anfang. Wenn dann mal alle Koffer ausgepackt sind, dann würden sie sich etwas Besseres suchen. Mittweile leben sie seit 30 Jahren in der gleichen Straße, im gleichen Haus, dem Zweithäßlichsten. Das Hässlichste steht gegenüber und gehört der Telekom. Es sind immer noch nicht alle Koffer ausgepackt, die Kinder sind längst aus dem Haus, aber das Ehepaar Honigmann zieht wohl nicht mehr aus. Obwohl? Eine Grabstätte haben sie sich schon gekauft. Es war ein Schnäppchen, wie ihr Mann meinte. 30 Jahre sind eine lange Zeit, eine Generation und Barbara Honigmann kann viel berichten über die Straße des Anfangs, die eingezwängt zwischen Schulen und großen Alleen liegt und an der man sicherlich nicht vorbeikommt, wenn man Straßburg einen Besuch abstattet. Naja, jetzt vielleicht.
Sie berichtet über die Menschen auf der Straße, die sie von ihrem Schreibtisch aus beobachtet. Sie erzählt Begebenheiten mit Menschen, die aufgetaucht und wieder verschwunden sind. Von Menschen, mit denen sie eine enge Beziehung einging und sie dann tragischerweise wieder verlor. Es gab drei jüdische Witwen, denen sie half Eingaben zur Wiedergutmachung zu schreiben, mit denen sie zu Anwälten und Behörden ging. Es gibt die Jungen auf der Straßen, mit den Kapuzen, die trinken und laute Musik hören. Es gibt die komplett verschleierten Frauen, die meist im Pulk auftreten und den gesamten Gehweg beanspruchen, so dass ihr nur die Flucht auf die Straße bleibt. Kommt jedoch ein dazugehörender Mann, bilden sie schnell eine Gasse, durch die er elegant gleiten kann. Es gibt den Verrückten, der sein nacktes Hinterteil zum Balkon hinaushängt und die Besitzer, der kleinen Läden, die eröffnen und plötzlich wieder geschlossen, oder weiterverkauft sind. Jahrelang trifft sie einen grantigen, stillen Mann, der oft stundenlang an einem alten Mercedes schraubt. Mit laufenden Motor und lauter Musik. Erst als ihr Mann ihn provozierend oft grüßt, fängt er an seine traurige Geschichte zu erzählen. Barbara Honigmann erzählt die Geschichten der einfachen Menschen aus verschiedenen Nationalitäten, ohne auf dem Begriff Multikulti herumzureiten, der auch hier in ihrer Straße nicht existent ist. Neu dazugekommen ist eine neue Nationalität, die sie nicht zuordnen kann. Sie tauchen mit fetten Autos auf, die sie nicht einparken, sondern auf der Straße abstellen. Die Motoren laufen, die Radios brüllen. Die dazugehörenden Typen könnten einem Mafiafilm entsprungen sein und die Damen stolzieren geschickt mit ihren High-Heels zu den passenden Schlitten. So plötzlich, wie er aufgetaucht ist, verschwindet der Convoi und es herrscht wieder Ruhe in der Straße.
Ich könnte noch viele Episoden aus dem Roman erzählen, möchte aber, dass Sie das Buch lesen und sich dabei genau so wohlfühlen, unterhaltenlassen, wie es mir ergangen ist.
Die „Chronik meiner Straße“ ist sicherlich nicht die große Literatur, aber eine gekonnte literarische Verarbeitung ihrer 30 Jahre in Frankreich, im gleichen Haus, in der selben Straße, in der Hoffnungen auftauchen, Träume verfliegen und Enttäuschungen zwangsläufig sind.

Leseprobe

Barbara Honigmann, 1949 in Ost-Berlin geboren, arbeitete als Dramaturgin und Regisseurin. 1984 emigrierte sie mit der Familie nach Straßburg, wo sie noch heute lebt. Honigmanns Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Kleist-Preis und dem Max-Frisch-Preis der Stadt Zürich.

Die Rue Edel auf google maps.