Mittwoch, 14.Juni

Heute haben
Arthur Schnitzler *1862
Katherine Anne Porter * 1890
Max Frisch * 1911
Michael Lentz * 1964
Judith Hermann * 1970
Geburtstag
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Ernst Wilhelm Lotz (1890-1914)
Wir fanden Glanz

Wir fanden Glanz, fanden ein Meer, Werkstatt und uns.
Zur Nacht, eine Sichel sang vor unserm Fenster.
Auf unsern Stimmen fuhren wir hinauf,
Wir reisten Hand in Hand.
An deinen Haaren, helles Fest im Morgen,
Irr flogen Küsse hoch
Und stachen reifen Wahnsinn in mein Blut.
Dann dursteten wir oft an wunden Brunnen,
Die Türme wehten stählern in dem Land.
Und unsre Schenkel, Hüften, Raubtierlenden
Stürmten durch Zonen, grünend vor Gerüchen.
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Wolfgang Schmidbauer:Helikoptermoral
Empörung, Entrüstung und Zorn im öffentlichen Raum
Murmann Verlag  € 20,00

Chronische Ängste springen uns entgegen, wenn wir die Tageszeitung aufschlagen. Die Welt ist nicht mehr zu begreifen. Die Gefahren kommen immer näher und werden immer bedrohlicher.  Die Reichen werden reicher, die Armen und Weggeschobenen rächen sich, um sich ihr eigenes Seelenheil zu erschaffen. Der Terror der Gekränkten nimmt weltweit ungahnte Züge an.
Wie beim Begriff der Helikoptereltern, reagieren wir auf solche Ängste mit vorschnellen Überreaktionen. Diese Helikoptermoral, wie sie Schmidbauer nennt, ist schon da und hat vorgefertigte Meinungen für uns bereit. Dank der digitalen Vernetzung werden unbedachte Urteile gefällt, Menschen in eine Ecke gedrängt, ein Problem nur von einer Seite angeschaut. Unser Urteil steht fest, bevor es überhaupt zu einem Prozess gekommen ist. Plakative Aussagen passen viel besser in unsere überlaute Eventkultur. Kritisches Denken, langsames Nachdenken, ist nicht gefragt.
Der Autor zeigt uns in vielen Fällen wie diese Helikoptermoral bei uns ankommt, wie sie sich zeigt. Egal ob es um große weltweite Ereignisse, Bombenanschläge, Persönlichkeiten geht, oder um Schüler in Deutschland, die unter Verleumdungen via Facebook leiden und ihr Leben nicht mehr in den Griff bekommen.

Der Autor und Psychotherapeut Schmidbauer hat selbst keine Lösung:
„Dem Angstkranken kann durch Einfühlung und Zuwendung geholfen werden. Wer aber wie der Fanatiker Ängste manisch abwehrt, ist unzugänglich. Er plant, eine neue Welt zu schaffen, in der er keine Angst mehr haben muss, weil dann die Menschheit entweder belehrt oder tot ist. Erst wenn es gelingt, ihn zu stoppen, und sich die Aussichtslosigkeit seiner Größenfantasie erweist, wird er sich der Einsicht wieder öffnen.“

Dienstag, 23.Mai

Heute haben
Harry Graf Kessler * 1868
Max Herrmann-Neiße * 1886
Pär Lagerkvist * 1891
Annemarie Schwarzenbach * 1908
Geburtstag
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Heute im Gedichtekalender:

Friedrich Hölderlin
Geh unter, schöne Sonne

Geh unter, schöne Sonne, sich achteten
Nur wenig dein, sie kannten dich, Heilige, nicht,
Denn mühelos und stille bist du
Über den Mühsamen aufgegangen.

Mir gehst du freundlich unter und auf, o Licht!
Und wohl erkennt mein Auge dich, Herrliches!
Denn göttlich stille ehren lernt ich,
Da Diotima den Sinn mir heilte.

O du des Himmels Botin! wie lauscht ich dir!
Dir Diotima! Liebe! wie sah von dir
Zum goldnen Tage dieses Auge
Glänzend und dankend empor. Da rauschten

Lebendiger die Quellen, es atmeten
Der dunkel Erde Blüten mich liebend an,
Und lächelnd über Silberwolken
Neigte sich segnend herab der Aether.
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

Coco Burckhardt:Erste Hilfe mit frischen Wildpflanzen
Die Naturapotheke für unterwegs
Ulmer Verlag € 9.90

Nachdem wir jetzt nun schon wissen, dass wir die halbe Wiese zu Suppen, Aufläufen, Pestos und Smoothies verarbeiten können, gibt es nun ein kleines Büchlein, das uns Pflanzen zeigt, die uns erste oder sogar vollständige Hilfe bei kleinen Verletzungen leisten können. Perfekt, wenn wir in der Natur unterwegs sind, gestochen werden, oder uns den Knöchel verstauchen, sogar wenn uns die Puste ausgeht ….. auch hier ist ein Kraut gewachsen.

Bei Insektenstichen hilft uns der Spitzwegerich, das Gänseblümchen, wilde Malve und der Ampfer. Einfach die Blätter zerquetschen und auflegen.
Bei Prellungen und Stauchungen suchen wir Beinwell, Gänseblümchen und die Minze.
Schafgarbe, Schlehe, Esche und die Rose helfen bei kleinen Wunden. Und sogar unser vielgeliebter Giersch ist ein wahres Wundermittel Reich an Mineralstoffen und Vitaminen hilft auch er bei Wunden und Insektenstichen.
Ob wir aber eine Brennessel gegen Erschöpfung kauen wollen ist wohl etwas fraglich…..

Das Büchlein ist reich und naturgetreu bebildert, damit wir auch das richtige Kraut finden. Es hat jede Menge andere Rezepturen und im Anhang eine schöne Übersicht über alle im Buch genannten Pflanzen.
Alles sind „Allerweltskräuter“ und bestimmt auch auf dem nächsten Spaziergang zu entdecken und wenn
die Mücken stechen, dann gibts ein Gänseblümchen gegen den Juckreiz.

Blick ins Buch

Die Wildpflanzenexpertin Coco Burckhardt, Bad Grönenbach, lebt auf einem Selbstversorgerhof mit Wildpflanzenanbau im Allgäu. Seit über 20 Jahren sammelt und erprobt sie alte und neue Wildpflanzen-Verwendungsweisen. Als Dozentin für Weiterbildung und als Walderzieherin gibt sie ihr fundiertes Wissen und ihre erprobten Rezepturen weiter.

Donnerstag, 18.Mai

Heute haben
Rahel Varnhagen von Ense* 1771
André Kaminski * 1923
Fritz Rudolf Fries * 1935
Otto Jägersberg * 1942
Daniel Glattauer * 1960
Jodi Picoult * 1966
Geburtstag.
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Was machen Sie? Nichts. Ich lasse das Leben auf mich regnen.
Rahel Varnhagen von Ense
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Runter vom Sofa!

Jürgen Wiebicke:Zehn Regeln für Demokratie-Retter
Ein Leitfaden für Demokratie-Retter
Kiepenheuer & Witsch Verlag € 5,00

Es lohnt sich wieder über den Begriff „Demokratie“ nachzudenken. Trump ist Präsident, in der Türkei werden Menschenrechte mit Füßen getreten, Rechtpopulisten tauchen überall in Europa uf. Von Russland und China und deren Demokratie-Bewußtsein will ich gar nicht reden. Es ist somit Zeit, runter vom Sofa zu steigen und sich Gedanken über Freiheit, Mitmenschlichkeit, Werte und Politik zu machen. Jammern hilft nicht auf Dauer. Der Journalist und Philosoph Jürgen Wiebicke hat zehn Regeln zur Rettung der Demokratie aufnotiert und der KiWi-Verlag hat sie verlegt. Der Verkaufspreis von € 5,00 ist vom Verleger bewußt so niedrig gehalten, damit möglichst viele Menschen sich dieses Büchlein zulegen und weiterverschenken. Die Bundestagswahl in Deutschland steht bevor und die AfD in den Startlöchern. Ein Blick lohnt sich allemal.

„Die Demokratie ist kein Haus, das fertig gebaut ist, in einer Krisenzeit muss man das Demokratiehaus umbauen.“

Wir müssen gegen Ungerechtigkeiten kämpfen umd Demokratie lebbar machen. Wenn wir nachdenken, geht es uns in Deutschland noch nie besser und doch ist so Vieles ins Wanken geraten.

„Demokratie mitgestalten heißt, ich merke, es kommt auf mich an.“

Wir können die Welt nicht aus den Angeln heben, aber im Kleinen anfangen. Bei Diskussionen in kleinem Rahmen, in Stadtteilbewegungen und Gesprächen auf der Straße.

„Mit Wut kann man nichts bewegen.“

Erst einmal zuhören und reden lassen, nachdenken und dann gezielt nachfragen. So kommen Redner mit populisten Meinungen ganz schnell auf’s Glatteis. Weg von Ausländerfragen und mal nachfühlen, wie sieht es denn in Bereichen wie Klimawandel und Kultur aus. Da ist bald Schluss mit dicker Hose.

„Unsere eigene Perspektive auf die Gesellschaft sollte nicht sein, ich bin Opposition.“

Auf einer beigefügten Postkarte sind seine 10 Regeln aufgedruckt und Sie können sie auf den Schreibtisch stellen, in die Hosentasche stecken und Freunden weitergeben.

„Unser Demokratie-Muskel ist durch lange Passivität derzeit ziemlich untrainiert. Jetzt zwingen uns die Verhältnisse, wieder in Bewegung zu kommen. Der Anfang fällt schwer. Aber unterwegs werden wir merken, was uns gefehlt hat. Und wir werden uns umschauen und erleichtert feststellen: Wir sind sehr viele.“
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Unsere Veranstaltungen im Juni:

Dienstag, 6.6. um 19 Uhr
„Die erste Seite“
Wir stellen vier neue Bücher vor
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Donnerstag, 8.6. um 19 Uhr
Konstantin Richter „Die Kanzlerin“.
Eine Fiktion
Verlag Kein und Aber

Hier eine paar Pressestimmen zum Buch:

»Wir begleiten die Kanzlerin bei der Entscheidungsfindung, folgen ihr in die
Datsche und wohnen der Zubeeitung vno Kohlrouladen bei. Augenzwinkern und immer
respektvoll: journalistisch-literarische Fiktion vom Feinsten.«
Zeit online

»Ein auf skurrile Weise vergnügliches Buch.«
Augsburger Allgemeine

»Es ist recht wahrscheinlich, dass dieses so kurzweilige wie gut recherchierte
Buch in viele Sprachen übersetzt wird. Das Bild der späten Ära Merkel wird
international durch Konstantin Richters Deutung beeinflusst werden […].«
Hannoversche Allgemeine Zeitung

»Richters „Die Kanzlerin“ ist eine geniale Persiflage auf die Obsession unserer
transparenten Ära, in der Hochglanzstorys bei Bundespolitikern zu Hause Usus
sind.«
Spiegel Online

»Ein Roman über Merkel – das ist so schwierig wie ein Rocksong über Edmund
Stoiber oder ein Liebesgedicht an ein Chamäleon. Konstantin Richter hat es
geschafft.«
Harald Martenstein