Dienstag, 17.Oktober

Heute haben
Georg Büchner * 1813
Alfred Polgar * 1873
Ernst Blaß * 1890
Nathanael West * 1906
Arthur Miller * 1915
Geburtstag
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Georg Büchner
Rosetta

[aus: Leonce und Lena]

O meine müden Füße, ihr müsst tanzen
in bunten Schuhen,
und möchtet lieber tief, tief
im Boden ruhen.

O meine heißen Wangen, ihr müsst glühen
im wilden kosen,
und möchtet lieber blühen –
zwei weiße Rosen.

O meine armen Augen, ihr müsst blitzen
im Strahl der Kerzen
und schlieft im Dunkel lieber aus
von euren Schmerzen.
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Unsere Auszubildende Vanesse Güntzel empfiehlt:

Jay Kristoff & Amie Kaufman:Illuminae
Die Illuminae-Akten_01
dtv € 19,95
Jugendbuch ab 14 Jahren

WOW – allein die Gestaltung & Aufmachung dieses Buches, hat mich schon so beeindruckt, dass mich anfangs die Handlung wenig interessiert hat. Ich wollte es schlicht und einfach SOFORT lesen.

Das Besondere? Jede einzelne Seite ist unterschiedlich aufgebaut: Ob als Verhör, Funk, Mail, Chat oder Akte vorliegend – es verzaubert.
Die Geschichte von Kady und Ezra wird durchgängig erzählt und fesselt von der ersten Seite an. Denn so absturs, wie „Illuminae“ aussieht, beginnt es auch. Sowohl für Kady als auch für Ezra, ist es ein ziemlich mieser Tag, denn Sie haben sich getrennt. – Jedoch ist es kein Weltuntergang…
Zumindest zunächst, denn dann wird ihr Planet angegriffen & die Apokalypse beginnt.
Daraufhin folgen weitere Ereignisse, mit denen Sie erneut niemals gerechet hätten.
Eine Flucht – auf zwei unterschiedlichen Schiffen, ein Krieg im Weltall – durch die durchgeknallte künstliche Intelligenz eines Schiffes und vieles mehr, welches einen von Seite über Seite mitreisst.
Ich kann „Illuminae“ nur empfehlen und sehne mich jetzt schon nach den Folgebänden!

Hier geht es zum großen Illuminae-Spektakel, inkl. eines Gewinnspiels.

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Donnerstag, 12.Oktober

Heute hat
Eugenio Montale * 1896 (Nobelpreis 1975)
Geburtstag.
Aber auch Luciano Pavarotti und der Architekt Richard Meier.
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Eugenio Montale
Nel fumo

Quante volte t’ho atteso alla stazione
nel freddo, nella nebbia. Passeggiavo
tossicchiando, comprando giornali innominabili,
fumando Giuba poi soppresse dal ministro
dei tabacchi, il balordo!
Forse un treno sbagliato, un doppione oppure una
sottrazione. Scrutavo le carriole
dei facchini se mai ci fosse dentro
il tuo bagaglio, e tu dietro, in ritardo.
poi apparivi, ultima. È un ricordo
tra tanti altri. Nel sogno mi perseguita.
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Fritz Schaap:Hotel Istanbul
Knaus Verlag € 18,00

Fritz Schaap, geboren 1981 in Berlin, schreibt u.a. für den Spiegel, die Zeit, das SZ-Magazin, die NZZ. Sieben seiner Geschichten aus den Jahren 2009 bis 2014 sind hier in diesem Buch vereint. Schaap bewegt sich dort, wo wir eigentlich nicht sein wollen. Er sucht die dunklen Seiten der Gegenwart. Er hält sich dort auf, von denen wir in Nachrichten hören. Er redet und lebt mit Menschen, die dort leben, die von den Krisen und Kriegen profitieren. Er wohnt mit einem syrischen Regimekritiker zusammen, trifft auf Aussteiger und Durchgeknallte.
Das Hotel Istanbul und die Bar ohne Namen liegen nur einen Steinwurf von der syrischen Grenze entfernt. Dort treffen sich alle, die Interesse am Krieg haben: Wijbe, der als holländische Ein-Mann-NGO Wolldecken ins Kriegsgebiet schmuggelt. Zwei Briten, die Selfies mit Krieg posten wollen. Der Schweizer Raimondo, genannt „the Kid“, dem es zu Hause viel zu langweilig ist. In der Lobby dieser „Zentrale des Wahnsinns“ sitzt der Hacker Ahmed, der die Trips an die Front organisiert, und spielt mit einem Miniroboter.
Es sind Alltagsgeschichten, die sich hinter den Nachrichtenmeldungen für uns verbergen. Hinter seinen Geschichten machen sich Welten auf, die uns fremd sind. Wir finden Menschen und nicht nur Meldungen und Zahlen. Es sind Menschen, die leben und atmen, so wie wir und nicht nur Buchstaben und Bilder sind.
Sieben Stories von Menschen im Nahen Osten und von einer Region im Umbruch, die gerade das Weltgeschehen prägt.

Mittwoch, 11.Oktober

Heute haben
Conrad Ferdinand Meyer * 1825
Gertrud von Le Fort * 1876
Francois Mauriac * 1885 (Nobelpreis 1952)
Boris Pilnjak * 1876
Anne Enright * 1962
Geburtstag.
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Conrad Ferdinand Meyer
Fülle

Genug ist nicht genug! Gepriesen werde
Der Herbst! Kein Ast, der seiner Frucht entbehrte!
Tief beugt sich mancher allzureich beschwerte,
Der Apfel fällt mit dumpfem Laut zu Erde.

Genug ist nicht genug! Es lacht im Laube!
Die saftge Pfirsche winkt dem durstgen Munde!
Die trunknen Wespen summen in die Runde:
„Genug ist nicht genug!“ um eine Traube.

Genug ist nicht genug! Mit vollen Zügen
Schlürft Dichtergeist am Borne des Genusses,
Das Herz, auch es bedarf des Überflusses,
Genug kann nie und nimmermehr genügen!
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Antonio Manzini:Spitzentitel
Aus dem Italienischen von Antje Peter
Wagenbach Verlag  €15

„Er schaut auf den Monitor seines Computers und schreibt ENDE auf das weiße Blatt. Es ist 23:30 Uhr an einem Oktoberabend, als der berühmte Schriftsteller Giorgio Volpe seinen neuen Roman abschließt. Am folgenden Morgen ruft er gutgelaunt im Verlag an, um die frohe Botschaft zu verkünden.“

Dort aber ist nichts mehr wie zuvor: Der Verlag wurde von einem Großkonzern geschluckt, nun haben windige Investoren das Sagen. Statt der vertrauten Stimme seiner Lektorin hört Volpe einen Anrufbeantworter in sieben Sprachen, und wenig später stehen zwei dubiose Typen vor der Tür, die sein Buch publikumstauglich umschreiben wollen. Doch damit fängt das Unheil erst an …

Was zuerst wie ein Alptraum, ein Wachtraum aussieht, entwickelt sich zur Realität. Große, wichtige, dicke Romane sind nicht mehr gefragt. Aber nicht nur daß gestrichen und gekürzt wird – weg mit den langatmigen Szenen – auch politisch korrekt sollte es sein. Keine zu schlechten Botschaften in dieser schlimmen Zeit dürfen in den Bücher stecken. So wird aus „Krieg und Frieden“ einfach nur „Frieden“. Das nur als kleines Beispiel. Romane werden auf ein Happy End hin umgeschrieben und SchriftstellerInnen geknebelt, zu einer bestimmten Zeit ein genaue Anzahl von Seiten abgeliefert zu haben. Und zwar nach den vorgebenen neuen Regeln.
Antonio Manzini ist hier eine messerscharfe und urkomische Persiflage gelungen, die nicht nur auf die Welt der Bücher zutrifft.
Lustig ist zusätzlich, daß im neuen Roman von Marc-Uwe Kling (der mit dem Känguru) genau das gleiche Thema aufgegriffen wird. Auch in „Qualityland“ wird alles glattgebügelt und gemainstreamt (schreibt sich das so?).
Beides sehr lustig und gleichzeitig bleibt mir das Lachen im Hals stecken.