Donnerstag, 17.August

Heute haben
Theodor Däubler * 1876
Ted Hughes * 1930
VS Naipaul * 1932 (Nobelpreis 2001)
Herta Müller * 1953
Jonathan Franzen * 1959
Geburtstag.
_____________________

Heute vor einem Jahr haben wir hier den Lyrikband „Nachgetragenes“ von Silvia Trummer vorgestellt und u.a. folgendes Gedicht veröffentlicht:

Suche

Manchmal taste ich mich
mit bloßen Händen
durch das Gestrüpp
wirrer Gedanken.

Ich möchte Worte finden
wie Bäume in einer Allee,
durch die das Licht fällt
am frühen Morgen.

Silvia Trummer: „Nachgetragenes„
Gedichte von 1988 bis 2005
Verlag Wolfbach € 18,00
_____________________

Gestern frisch ausgepackt:

042_87554_180819_xxl

Leila Slimani:Dann schlaf auch du
Luchterhand Verlag € 20,00

Der erste Satz des Romanes zeigt uns gleich, dass es für das Kind, für die Kinder nicht gut ausgeht. Leila Slimani braucht auch gar nicht den überraschenden Schluss, sondern nimmt uns mit auf die verschlungenen Wege, bis es zu diesem tragischen Ende kommt. Dieser zweite Roman der franko-marokkanischen Autorin wurde mit zahlreichen Auszeichnungen versehen, u.a. auch mit dem Prix Goncourt.
Myriam und Adam könnten glücklich sein. Sie leben mitten in Paris, haben zwei gesunde Kinder und Adam bringt mit seinen Musikjobs genügend Geld mit nach Hause. Als Myriam ein Angebot bekommt, wieder als Anwältin zu arbeiten, ist schnell klar, dass eine Nounou, eine Nanny, ein Kindermädchen gebraucht wird. Nach einem langen Casting entscheiden sich die jungen Eltern für die ältere Louise, die sich sehr schnell als wahre Perle entpuppt. Sie versteht es ausgezeichnet mit den Kindern, macht den Haushalt und kocht ausgezeichnet, so dass immer öfter Einladungen ausgesprochen werden, bei denen ausgiebig diniert wird.
Doch irgend etwas stimmt mit Louise nicht. Dies erfahren wir in Rückblicken, in denen uns die Autorin das kleine Leben von Louise zeigt. Ein Leben, dem sie nicht entfliehen kann, das sie geprägt hat und sozial an den Rand stellt. In dem von ihr betreuten Haushalt zeigt sie ein anderes Gesicht, keiner ahnt etwas von ihrem „anderen“ Leben und gleichzeitig möchte sie diese Arbeit auch nicht verlieren.
Leila Slimani hat hier keinen Thriller geschrieben, sondern zeigt anhand ihrer beiden Hauptfiguren Louise und Myriam, wie beide Frauen in unterschiedlichen Zwängen festsitzen und verzweifelt versuchen, ihnen zu entfliehen.
Es ist keine leichte Lektüre, aber ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Die heutige BRIGITTE vergab an das Buch fünf von fünf Punkte.

Dienstag, 15.August

Heute haben
Matthias Claudius * 1740
Walter Scott * 1771
Stieg Larsson * 1954
Geburtstag
___________________________

Matthias Claudius
Der Esel

Hab nichts, mich dran zu freuen,
Bin dumm und ungestalt,
Ohn‘ Mut und ohn‘ Gewalt;
Mein spotten, und mich scheuen
Die Menschen, jung und alt;
Bin weder warm noch kalt;
Hab nichts, mich dran zu freuen,
Bin dumm und ungestalt;
Muß Stroh und Disteln käuen;
Werd‘ unter Säcken alt –
Ah, die Natur schuf mich im Grimme!
Sie gab mir nichts, als eine schöne Stimme.
________________________

DER Film zum heutigen Tag.

26877120z

Das Festmahl im August / Pranzo di ferragosto“
Regie, Drehbuch, Hauptdarsteller: Gianni di Gregori
Italien 2008
DVD € 5,99

Ferragosto ist einer wichtigsten Feiertage in Italien. In Rom verschwinden um diesen Termin herum alle ans Meer. Viele Restaurants sind geschlossen, Läden haben zu. Rom ist wie leergefegt und auf den Straßen ist nichts mehr vom täglichen Stau zu spüren. Die Hitze steht zwischen den Häusern und es ist der beste Zeitpunkt die Stadt mit dem Rad zu erkunden.
Gianni Di Gregori (Regie, Drehbuch und Hauptdarsteller) hat sich diesen Tag für seinen Film herausgesucht. Er lebt mit seiner dominaten alten Mutter in einer Wohnung, kann keiner Arbeit nachgehen, da die alte Dame ihn komplett fordert. Dies führt zu finanziellen Engpässen. Er ist mit der Miete in Verzug und auch sonst sehr klamm. Just an diesem Tag kommt der Hausverwalter und bietet ihm einen Mietnachlass an, wenn er dessen Mamá und Tante für eine Nacht aufnehmen kann. Desgleichen passiert ihm auch mit dem Arzt, der auf Hausbesuch ist. Nach kurzem Zögern, siegt die Aussicht auf etwas Geld und Gianni hat plötzlich statt einer alten Dame, vier am Hals, die sich alle nicht grün sind. Nun heisst es einkaufen für das Festmahl. Dabei ist ihm sein Kumpel mit der Roller behilflich. Eine Kiste Weisswein (sehr wichtig für den Film) und Fische frisch aus dem Tiber geangelt, bilden den Grundstock. Mit viel Überredungskünsten schafft es der genervte Gianni, die alten Damen unter seinem Dach zu behalten, eine davon wieder zurückzuholen. Als alle versorgt sind und in ihren Betten schlafen, liegt er in der heissen Nacht auf dem Balkon.
Ausser Gianni sind alle anderen Mitspielenden LaiendarstellerInnen, die mit großer Lust und Laune mitgemacht haben und dem Film das gewisse Etwas geben. Ein charmanter Sommerfilm, mit viel Witz, über das Leben, Überleben und Altwerden. Und natürlich eine große Homage an die Ewige Stadt. Ein Film voller Hitze, Weisswein und einem Festmahl, an das wir schon nicht mehr glauben wollten.
Ein Muß für diesen Tag.
Achtung: Halten Sie einen schönen Vorrat an Weisswein im Kühlschrank bereit. Durch den dauertrinkenden Gianni bekommen Sie sicherlich enorme Lust auf ein gut gekühltes Glas (oder auch zwei, …)
Buon divertimento!

cimg9423

Via Condotti, die normalerweise mit Handtaschen, Einkaufstaschen und schicken Damen daran voll ist. Im Hintergrund die leere Spanische Treppe.

cimg9424

Auf meiner Rundfahrt auf den leeren Straßen Roms am 15.8.2014

cimg93991

Der Herr mit den kurzen Hosen und den grauen Haaren ist Giannis Freund mit dem Moped. Sein Lieblingsort ist die Bar Calisto im Stadtteil Trastevere.

Ausgezeichnet mit dem Preis für den besten Debütfilm in Venedig 2008.
Website des Filmes mit Bildern und einem Zander-Rezept.
Trailer deutsch
Trailer italienisch

ORTE 19

Christel Müller, bildende Künstlerin, und Silvia Trummer, Schriftstellerin, arbeiten seit vielen Jahren themenbezogen zusammen. Sie haben in der Schweiz und Deutschland mehrere Ausstellungen gestaltet, indem sie Bilder, Texte und Objekte nebeneinander stellten. Unter dem Titel “ORTE“ zeigen die beiden Frauen Fotos und Notizen von unterwegs, an denen sie in den letzten Jahren gearbeitet haben. Was dabei entstanden ist, illustriert den Prozess von Gehen, Schauen und Gestalten. „Man könnte alles neu sehen“.

T10