Dienstag, 25.April

Heute haben
Claude Mariac * 1914
und
Elfriede Czurda * 1946
Geburtstag
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Heute im Gedichtekalender

Wilhelm Busch
Kritik des Herzens

Es sitzt ein Vogel auf dem Leim,
Er flattert sehr und kann nicht heim.
Ein schwarzer Kater schleicht herzu,
Die Krallen scharf, die Augen gluh.
Am Baum hinauf und immer höher
Kommt er dem armen Vogel näher.

Der Vogel denkt: Weil das so ist
Und weil mich doch der Kater frißt,
So will ich keine Zeit verlieren,
Will noch ein wenig quinquilieren
Und lustig pfeifen wie zuvor.
Der Vogel, scheint mir, hat Humor.
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

Verena Petrasch:Sophie im Narrenreich
Beltz und Gelberg Verlag € 17.95
Ab 11 Jahren

In der Nacht auf ihren 12. Geburtstag macht Sophie eine unglaubliche Entdeckung: In ihrem Kleiderschrank sitzt Theobald, ein Gedankennarr, der eigens aus dem Narrenreich gekommen ist, um Sophies Gedanken wie kostbare Schätze zu sammeln. In seiner Heimat gibt es unzählige Arten von Narren: Generationsnarren sorgen dafür, dass die Weisheit eines Menschen am Ende seines Lebens nicht einfach verloren geht, sondern an einen anderen Menschen weitergegeben wird. Und wer schon einmal an einem schönen Sonnentag unter einem Baum im Gras saß und mit einem Mal von einem tiefen, stillen Glücksgefühl durchströmt wurde, hat die Macht eines Luftnarren gespürt, der über ihm im Baum gesessen und ihm das Glück wie einen warmen Lufthauch ins Gesicht gepustet hat.
Gedankennarren wie Theobald sind in der Lage, Menschen fantastische Gedanken einzupflanzen, die dann wie Samenkörner aufgehen und zu Ideen und Plänen heranwachsen. Doch fantastische Gedanken sind selten geworden in einer Zeit, in der immer weniger Menschen Fantasie haben. Und damit bringen sie die ganze Welt in Gefahr: Denn ohne sich dessen bewußt zu sein, unterstützen die Menschen so den Schwarznarren Kieron, der der Welt ihren Zauber und alle Freude nehmen will.

Emilia, 11 Jahre, meint dazu :

Dieses Buch ist sehr toll, es verbirgt nicht nur Spannung, sondern auch ein großartiges Abenteuer von der 12 jährigen Sophie, die in die Narrenwelt gelangt, die von dem bösen Narrenkönig eingenommen wird.
Sehr toll !!!!

Also, ab ins Reich der Narren und viel Spass dabei!

Hier geht es zur Leseprobe.
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Literaturwoche Donau


Heute bei uns in der Buchhandlung:
Christian Ewald und seine Katzengraben-Presse.
Beginn ist 19:30 Uhr

Donnerstag, 20.April

Heute haben
Pietro Aretino * 1492
Herman Bang * 1857
Arto Paasilinna * 1942
Geburtstag
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Heute im Gedichtekalender:

Friedrich Nietzsche
Venedig

An der Brücke stand
Jüngst ich in brauner Nacht.
Fernher kam Gesang:
Goldener Tropfen quoll’s
Über die zitternde Fläche weg.
Gondeln, Lichter, Musik –
Trunken schwamm’s in die Dämmrung hinaus …

Meine Seele, ein Saitenspiel,
Sang sich, unsichtbar berührt,
Heimlich ein Gondellied dazu,
Zitternd vor bunter Seligkeit.
– Hörte jemand ihr zu? …
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Unser Tipp des Tages:

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Marceline Loridan-Ivens:Und du bist nicht zurückgekommen
Insel Taschenbuch € 10,00

Dieser schmale Band im Insel Verlag erzählt eine seltsame und wahre Geschichte. Siebzig Jahre nach dem gewaltsamen Tod ihres Vaters, ermordet in Auschwitz, erinnert sich die Autorin zum ersten Mal öffentlich und schreibt nach dieser langen Zeit einen Brief an den Vater, den sie ihr Leben lang vermisst hat. Selbst Deportierte und Überlebende von Birkenau,versucht sie, sich diesem Verlust, ihrem eigenen Vergessen, aber auch ihrem Schmerz anzunähern. Der Vater und die damals 15-jährige Autorin Marceline werden gemeinsam abtransportiert, aber eben auf verschiedene Lager aufgeteilt. Sie erinnert sich an Gräuel, Hunger, Gewalt, Krankheit, Angst, an Apathie und Verzweiflung und an eine kleine von ihrem Vater handgeschriebene Botschaft, von einem Mitgefangenen überbracht. Aber sie erinnert sich nicht an den Inhalt der Botschaft. Diese Fehlstelle ihres Gedächtnisses wird zum Bild für alles Unaussprechliche ihres Kummers, für ihre Unfähigkeit, ein ,normales‘ Leben nach dem Holocaust zu führen.
Ein normales Leben kann sie auch deshalb schon nicht führen, da sie bei ihrer Rückkehr aus dem KZ von einem Onkel am Bahnhof abgeholt wird, der ihr sagt:: „Zeige deine Nummer nicht. Sie werden es nicht verstehen“. So bleibt sie fremd bei ihren eigenen Leuten, innerhalb ihrer Familie. Sie kritisiert jedoch auch den latenten Antisemitismus in Frankreich und die öffentliche Nichtbeachtung der vielen Anschläge auf jüdische Einrichtungen und Ermordungen jüdischer Mitbürger.

Leseprobe

Loridan-Ivens ist Schauspielerin, Regisseurin und Drehbuchautorin, mit ihrem Mann hat sie zahlreiche Dokumentarfilme gedreht, u.a.Birkenau und Rosenfeld. Dieses Buch ist beeindruckend, zutiefst bewegend und wahr.

Mittwoch, 19.April

Heute haben
Richard Hughes *1900
Pierre Lemaitre * 1951
Geburtstag
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Paolo Cognetti: „Fontane Numero 1
Ein Sommer im Gebirge
Aus dem Italienischen von Barbara Sauser
Edition Blau im Rotpunktverlag € 18,00

Dort wo er als Kind oft seine Ferien verbracht hat, zieht sich der italienische Autor zurück. Hoch oben auf 2.000 Meter mietet er sich in die Hütte Fontane No.1 ein. Im Tal ist ihm seine Sprache abhandengekommen und versucht sie in der Einsamkeit wiederzufinden. Angeregt von Thoreau, den er auch oft zitiert, will er der hektischen Zivilisation im Tal entfliehen. Die Einsamkeit macht ihm zu schaffen. Er ist ein Stadtmensche und braucht den Umtrieb und die Freunde in Eckkneipe nebenan. Seine kleine Bibliothek, die er mitgenommen hat, besteht aus Romanen von anderen Stadtflüchtlingen.
So einfach ist das allerdings gar nicht, wenn man vergessen hat, wie bestimmte Handgriffe zu bewerkstelligen sind, wenn man mit Schnee, Wind, Kälte, Nebel und dem Feuer im Ofen zu kämpfen hat. Er fürchtet die ersten Nächte, beschreibt sie detailreich, hat Angst vor wilden Tieren und stellt sich immer wieder neuen Mutproben. Die totale Einsamkeit wird durch einen Einheimschen ununterbruchen, der im Nebel auftaucht und extrem belesen ist. Langsam, Schritt für Schritt erkundet er diese neue, alte Landschaft und findet zu sich selbst und wieder zu seiner Sprache.

Häuser

Wenn man im Frühling eine Hütte zum ersten Mal wie der betritt, hat das etwas Rührendes. Ich riss die Türen der Zimmer auf, die monatelang geschlossen gewesen waren, mit dem Frost als einzigem Gast, die Dachluken vom Schnee verdunkelt. Mit dem Finger fuhr ich über den Tisch, den Stuhl, das Wandbord, überall Staub, im Kamin vergessene Asche. Ob die Häuser fühlen, wie die Zeit vergeht? Oder ist ein Winter für sie wie ein einziger Augenblick? Ich dachte an jenen Tag vor zehn Jahren zurück, als ich zum letzten Mal durch eine andere Tür hinausgegangen war, nachdem ich alles noch einmal lange angesehen hatte. Den Eindruck einer Rückkehr verdankte ich jetzt nicht der Sehkraft, sondern dem Geruchsinn, es war der Duft nach Holz und Harz, der mir das beruhigende Gefühl gab, wieder zu Hause zu sein.
Ich fragte das Haus: War der Winter sehr hart? Und stell­te mir vor, wie es in Januarnächten, wenn die Tempera­tur auf unter zwanzig Grad sinkt, gestöhnt und geknarrt haben mochte und wie es später die fahle Märzsonne genoss, die warmen Mauern, den von den Dachrinnen tropfenden Schnee. Falls es die Bestimmung eines Hauses ist, bewohnt zu werden, empfand es auf seine Art vielleicht Glück, dass nun wieder ein Mensch mit seinem Holz hin und her ging, im Kamin und im Ofen Feuer machte,sich in der Küche die Hände wusch. Hinter den Wänden zirkulierten wieder kaltes, felsiges Wasser und Feuer, wie Saft in einem Baum und Blut in einem Körper.

Paolo Cognetti, geboren 1978 in Mailand, ist Schriftsteller und Dokumentarfilmer. Zum Autorenkreis rund um den quirligen Verlag Minimum Fax in Rom gehörend, hat er mehrere, verschiedentlich ausgezeichnete Bücher veröffentlicht. 2016 ist beim renommierten Turiner Verlag Einaudi sein Debütroman erschienen, der in rund 30 Sprachen verkauft wurde. Mit Fontane Numero 1 liegt sein erstes Buch auf Deutsch vor. Über aktuelle Lektüre und über die Berge schreibt er auf seinem Blog: paolocognetti.blogspot.com