Mittwoch, 7.Juni

Heute haben
Mascha Kaleko * 1907
Orhan Pamuk * 1952
Louise Erdrich * 1954
Fred Vargas * 1957
Geburtstag.
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Heute auf dem Duden Gedichtekalender:

Joachim Ringelnatz
Der Briefmark

Ein männlicher Briefmark erlebte
Was Schönes, bevor er klebte.
Er war von einer Prinzessin beleckt.
Da war die Liebe in ihm erweckt
Er wollte sie wieder küssen,
Da hat er verreisen müssen.
So liebte er sie vergebens.
Das ist die Tragik des Lebens.
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Unser Sommertipp:

Vincent Almendros: „Ein Sommer
Aus dem Französischen von Till Bardoux
Wagenbach € 15,00

Na, eigentlich könnte es im Moment schon etwas wärmer sein. Wind, Regen und grauer Himmel bekommen wir heute genügend. Dagegen hilft Ihnen ganz sicher der kleine Salto-Band „Ein Sommer“ des französischen Autor Vincent Almendros, der dafür in Frankreich den Prix Françoise Sagan für den schönsten Roman des Frühlings erhalten hat.
Gut so!
Neapel, ein olles Segelschiff, zwei Brüder und ihre Partnerinnen stehen im Mittelpunkt. Und natürlich das Meer. Sommer, Hitze, Wasser, Langeweile, Lust, Entdeckungen lassen den Roman an diverse Filme denken. Vincent Almendros erzählt sehr zögerlich, was es mit seinen Personen auf sich hat. Leicht wie ein Meerwind ist seine Sprache und wir ahnen schon seitenlang vorher, daß da etwas nicht stimmt. Allerdings nicht so, wie Sie vielleicht vermuten. Nein, kein Thriller, kein Psychodrama auf offener See. Aber so, wie uns der Autor in der Schwebe lässt, reden die beiden Brüder an einander vorbei. Schon zu Beginn verfehlen sie sich, da sie sich beim Castel dell’Ovo verabredet haben und nicht beim Castel Nuovo?. Aber wer versteht schon den Unterschied am Handy?
Das Boot gehört Jean, der mit Jeanne zusammen ist. Jeanne war jedoch früher mit dem jüngeren Bruder Pierre zusammen, der seine neue Freundin Lone mitgebracht hat. Was will Jeanne von Pierre, warum verschwindet Lone plötzlich beim Eisholen, oder hat Pierre sie einfach vergessen? Alemndros nimmt uns mit auf ein Liebesverwirrspiel mitten im Sommer, das im Herbst ein überraschendes Nachspiel hat.
Lassen Sie sich von diesem schmalen charmanten Roman zu einem frivolen Spiel verführen, so wie es die vier auf dem Boot auch untereinander versuchen.
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Morgen abend, Donnerstag den 8.Juni ab 19:30
liest Konstantin Richter aus seinem Buch „Die Kanzlerin“, das im Kein&Aber Verlag erschienen ist.
Mit € 5,00 sind Sie dabei.
Wir freuen uns auf Sie.

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Dienstag, 30.Mai

Heute hat
Georg K.Glaser * 1910
Colm Toibin * 1955
Geburtstag
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Gottfried Keller
Wanderlied

Wie meine Seele jubelt
Ob dieser schönen Welt!
Wie eine Lerche schwebt sie
Hoch über Wald und Feld.

Bald wiegt sie sich auf Lilien,
Die still in Gärten stehn,
Dann wieder plötzlich stürzt sie
Sich in die fernsten Seen.

Nun ruht sie auf des letzten
Und blausten Berges Rand
Und schaut mit trunknen Augen
Hinüber ins fremde Land.

Doch kann sie nicht entrinnen,
Wie sie auch flieht allwärts,
Denn sie ist festgebunden,
Fest an ein schweres Herz!
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Unsere Praktikantin Sophie Janjanin empfiehlt:

Shawn Vestal: „Loretta
Aus dem Amerikanischen von Verena Kilchling
Kein & Aber Verlag  € 24,00

Sie trägt Jeans, das einzige Paar, das ihr Vater ihr für die Hausarbeit gestattet, und dazu Clogs. Ihre Heidenkleidung. Die Berge, die tagsüber rot sind, heben sich schwarz und zerklüftet vom satten Tintenblau der Nacht ab. Ihr Zuhause ist dort draußen am Rand, am Rand der Gemeinde Short Creek, genauso, wie Loretta und ihre Familie am Rand stehen – halbe Außenseiter, noch nicht ganz angekommen in den Armen des Propheten. Das macht es leichter, sich davonzuschleichen, ohne von den Männern des Propheten erspäht zu werden.
Shawn Vestal (*1966, Idaho) entfloh, wie auch seine Romanfigur „Loretta“, dem strengen genügsamen Mormonenleben. Beschrieb er seinem ersten Buch „Godforsaken Idaho“ noch die Anfänge des Mormonentums, steigt er mit „Loretta“ tief in die Welt der polygamistisch lebenden Gruppe von Gläubigen in Short Creek in Arizona ein. Es geht um Aufbruch und Ausbruch aus strengen Mustern: Die 16-jährige Loretta wird mit Dean verheiratet, der bereits Frau und Kinder hat. Sie lehnt sich gegen das System auf, stellt ihren Glauben in Frage, packt ihre Sachen und verschwindet. Im Gepäck hat sie außerdem noch eine handvoll Verehrer, die ihr den Traum vom ausschweifenden Single-Tussi-Leben verbauen wollen. Vestals Beschreibungen der Religionsauffassung der Mormonen erinnert stark an ein mittelalterliches Verständnis: Um ins Himmelsreich zu kommen muss das irdische Leben von Verzicht und Leiden geprägt sein. Doch auch bei den angeblich so Rechtschaffenen menschelt es deutlich: Scheinheilig sucht Familienpatriarch Dean nach Bestätigung, seines immer gierigeren Lebensstils.
Gibt es keinen Punkt, an dem ich meinen Anteil geleistet habe, mehr als meinen Anteil, viel mehr sogar, und den Rest behalten darf, ohne gleich mangelnder Rechtschaffenheit bezichtigt zu werden?
Man kann gar nicht anders, als mit den Menschen mitzufühlen, die versuchen, den Sinn ihres Daseins und ihres Tuns in einem größeren Ganzen zu suchen. Besonders Deans Neffe Jason, der Loretta mit Haut und Haaren verfallen ist, hadert mit seinem Weltbild:
Was es in einer gottlosen Welt tatschlich nicht geben würde, wäre ein Sinn für Recht und Unrecht.
Ob Gott für ihn tatsächlich existiert, ist bei den Jugendlichen im Buch aber nicht das Problem. Vielmehr geht es um die Frage: In welche Welt gehöre ich eigentlich?
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Nicht vergessen:

Dienstag, 6.Juni um 19 Uhr
„Die erste Seite“

Wir stellen vier neue Bücher vor
Eintritt frei

Donnerstag, 8.Juni um 19:30
Konstantin Richter: „Die Kanzlerin“

Lesung
Eintritt € 5,00

Freitag, 26.Mai

Heute haben
Edmond Huot de Goncourt* 1822
Vitezslav Nerval * 1900
Erich Hackl * 1931
Geburtstag
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Heute im Gedichtekalender:

Matthias Claudius
Die Mutter bei der Wiege

Schlaf, süßer Knabe, süß und mild,
Du deines Vaters Ebenbild!
Das bist du; zwar dein Vater spricht,
Du habest seine Nase nicht.

Nur eben itzo war er hier
Und sah dir ins Gesicht,
Und sprach: Viel hat er zwar von mir,
Doch meine Nase nicht.

Mich dünkt es selbst, sie ist zu klein,
Doch muß es seine Nase sein;
Denn wenn’s nicht seine Nase wär,
Wo hätt’st du denn die Nase her?

Schlaf, Knabe, was dein Vater spricht,
Spricht er wohl nur im Scherz;
Hab immer seine Nase nicht,
Und habe nur sein Herz!
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Heute auf dem Blog und am Donnerstag, den 8.Juni bei uns in der Buchhandlung:

Konstantin Richter:Die Kanzlerin
Eine Fiktion
Kein & Aber Verlag € 18,00

Die Kanzlerin hatte sich vorgenommen, die ruhigeren Passagen von Tristan und Isolde zu nutzen, um über ein paar Dinge nachzudenken. Im Ersten Aufzug wollte sie das Griechenland-Hilfspaket behandeln. Im Zweiten Aufzug würde sie sich den hohen Asylbewerberzahlen widmen. Und im Dritten Aufzug hätte sie vor dem Liebestod bestimmt noch ein paar Minuten, um ein weiteres Mal die Minsker Vereinbarung durchzugehen, die den Frieden in der Ostukraine sichern sollte.

Der 1971 geborene Konstatnin Richter hat im Kein & Aber Verlag schon zwei Romane veröffentlicht. Jetzt kommt dieses kleine Sommerbuch hinzu. Im Sommer 2015 kam es zur ersten goßen Flüchtlingswelle, die Europa und Deutschland zu spüren bekam. Es waren diese Monate, in denen Angela Merkel ihr „Ja, wir schaffen das“ sagte und damit für viel Aufsehen sorgte.
Der Journalist, der für in- und ausländische Zeitungen über diese Zeit recherchierte und veröffentlichte, nahm diese Wochen und Monate zum Anlass über das sehr private Leben, die Gedanken der Kanzlerin zu schreiben. Nicht wie er es sonst in der WELT und der ZEIT macht, sondern in einer luftig heiteren, ironisch witzigen Art. Der Roman fließt einem beim Lesen unter den Fingern weg. Immer wieder huschte mir ein Lächeln über die Lippen. Richters Beschreibungen aus dem Kanzleramt, die morgendlichen Treffen, die verschiedenen Personen, die die Kanzlerin umgeben, Horst Seehofer und unser Innenminister sind so fein skizziert, daß ich nicht wußte, oder bemerkte, was ist real und was ist Fiktion.

Zuhören wollte die Kanzlerin auch ein bisschen. Sie mochte klassische Musik, besonders Opern. So stand es zumindest auf ihrer Homepage. Nur hatte sie Tristan und Isolde schon oft gesehen. Sie war mit Handlung und Rezeptionsgeschichte hinreichend vertraut. Außerdem hatte sie die Mappe gelesen, die ihre Mitarbeiter zusammengestellt hatten. Etwaige Fachfragen, mit denen ja immer zu rechnen war, würde sie mühelos beantworten. Kurz: Sie konnte es sich leisten, einen Teil der Zeit, die ihr in Tristan und Isolde zur Verfügung stand, für die Arbeit abzuzweigen.

Mit Bayreuth geht es los. Mit Wagner und dem Tristan, mit der Lieblingsmusik des Ehemanns der Kanzlerin. Dort erleidet sie zwar auch einen hitzebedingten Schwächeanfal, hat aber die ersten Ideen zum neu entstandenen Flüchtlingsthema. Nein, der Tristan ist nichts für sie. Jedes Jahr, immer dieser Wagner. Bei Mozarts Klavierkonzerten und einer Flasche Wein, die die Kanzlerin vom dänischen Ministerpräsidenten bekommen hat, schreibt sie das nieder, was später unter „Wir schaffen das“ bekannt wurde.
Konstantin Richter beschreibt liebevoll, frech, wie Frau Merkel zum Einkaufen geht, wie sie kocht und in der Uckermark gärtelt, wie sie Mensch ist und am Liebsten im alten DDR-Nachthemd nachts am Fenster steht. Er schreibt über die Wut, die ihr plötzlich entgegenknallt und ihre Reaktionen darauf.
Der Roman fand in den Beschrechungen nicht immer vollen Anklang. Ich habe ihn genossen, mich gefreut über die Art und Weise wie Konstantin Richter sich dem Thema und der Person Merkel nähert. Genug hat er als Kenner darüber geschrieben, aber nicht in dieser lockeren, feinen, ironisch, witzigen Art. Und daß die Kanzlerin gut austeilen kann und dem Seehofer mal eben ne forsche SMS mit Emoticon schickt, paßt gut zu diesem Buch.

Konstantin Richter kommt zu uns in die Buchhandlung.
Donnerstag, 8.Juni um 19:30

Lassen Sie sich den Termin nicht entgehen. Sie werden es genauso genießen wie ich.