Dienstag, 4.April

Heute haben
Bettine von Arnim * 1785
Tristan Tzara* 1896
Margauerite Duras * 1914
Helme Heine * 1941
Geburtstag.
Es ist der Todestag von Max Frisch + 1991
_______________________

Heute im Gedichtekalender:

Ludwig Christoph Heinrich Hölty
Aufmunterung zur Freude

Wer wollte sich mit Grillen plagen,
Solang uns Lenz und Jugend blühn;
Wer wollt in seinen Blütentagen
Die Stirn in düstre Falten ziehn?

Die Freude winkt auf allen Wegen,
Die durch dies Pilgerleben gehn;
Sie bringt uns selbst den Kranz entgegen,
Wann wir am Scheidewege stehn!

Noch rinnt und rauscht die Wiesenquelle,
Noch ist die Laube kühl und grün,
Noch scheint der liebe Mond so helle,
Wie er durch Adams Bäume schien!

Noch macht der Saft der Purpurtraube
Des Menschen krankes Herz gesund,
Noch schmeckt in der Abendlaube
Der Kuß auf einen roten Mund!

Noch tönt der Busch voll Nachtigallen
Dem Jüngling hohe Wonne zu,
Noch strömt, wenn ihre Lieder schallen,
Selbst in zerrißne Seelen Ruh!

O wunderschön ist Gottes Erde
Und wert, darauf vergnügt zu sein!
Drum will ich, bis ich Asche werde,
Mich dieser schönen Erde freun!

(Vertont von Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Anton Hoffmeister)
___________________________

Jocelyne Saucier:Ein Leben mehr
Aus dem Französischen von Sonja Finck
Insel Taschenbuch € 10,00

Jetzt neu als Taschenbuch:

Das schöne Porträt eines alten Mannes auf dem Umschlag zeigt uns die Richtung, in der sich der Roman hinbewegt. Allein dieses Foto ist ein großartiger Hingucker. Das ist schon ein gekonnter Schachzuges des Verlages. Die französisch schreibendende Autorin Jocelyne Saucier nimmt uns mit auf eine Reise in die Wildnis Nordkanadas. Dorthin, wo normalerweise niemand mehr lebt. Gold gibt, oder gab es dort noch nie. Eine Eisenbahnlinie hätte gebaut werden sollen. Ein pfiffiger Mann wollte davon profitieren und hat ein Hotel an einen strategisch wichtigen Punkt gebaut. Die Eisenbahn kam nie und das Hotel modert vor sich hin.
Dort also in der Einsamkeit sollen sich alte Männer zurückgezogen haben, die sich den Fängen der staatlichen und privaten Überwachung entzogen haben. Sie wollen nicht in ein Heim, sie wollen keine Sozialarbeiterin, die bei ihnen privat herumschnüffelt und sie wollen mit ihren diagnostizierten Krankheiten nicht ins Krankenhaus. Sie wollen selbst über ihr Leben entscheiden und über ihren Tod. Drei alte Männer, über 80 Jahre, sind es, das weiß eine ca. 40jährige Fotojournalistin, die sich in dieser Wildnis einigermaßen auskennt. Sie sucht einen dieser Männer wegen einer Reportage über sein Leben. Die Wegbeschreibung, die sie vom Hotel bekommt, erweist sich als halbherzig, oder gar falsch und sie erkennt schnell, daß der Hotelier bewußt Fragende in die Irre führt, um die Männer zu schützen. Die Journalistin findet einen der Männer, der sie zuerst wortkarg stehen läßt und ihr Stunden später mitteilt, daß der gesuchte Mann, Boychuck, vor kurzem verstorben ist. Die Frau braucht mehrere Anläufe, bis sie mit dem ersten und dann auch mit dem zweiten und dritten Alten ins Gespräch kommt. Dann entwickelt sich dies jedoch zu einer ganz besonderen Art von Freundschaft. Ganz irre wird es, als eine 80jähre Dame auftaucht, die fälschlicherweise fast ihr ganzes Leben in der Psychiatrie verbracht hat. Sie wird von ihrem Enkel „entführt“ und auch in die Wälder zu den drei Alten gebracht.
Diese Mischung aus Lebensphilosophie, Freiheitsdrang, großer Armut, dem Trauma der großen Brände, die vor Jahrzehnten hunderten von Menschen ihr Hab und Gut und auch das Leben geraubt haben, machen diesen schmalen Roman zu etwas Besonderem. Zu einem Buch, in dem das Älterwerden und das gemeinsame Leben, Lieben und Sterben dieser sehr eigenwilligen Menschen in der Wildnis im Mittelpunkt steht.
Der französische Titel heisst auf deutsch „Als die Vögel vom Himmel fielen“ und bezieht sich auf die enorme Hitze und Rauchentwicklung bei den großen Waldbränden, so daß den Überlebenden Vögel tot vor die Füße fielen.

Leseprobe
________________________

Nicht vergessen:
Heute abend gibt es wieder vier neue Bücher, aus denen Ihnen Clemens Grote vorliest.
Dazu die Auflösung des Romananfangs-Rätsel vom letzten Monat und ein neuer zu erratender Romananfang.
Florian Arnold und Rasmus Schöll stellen noch kurz die kommende Litarturwoche vor.

Wir freuen uns auf Ihr/Euer Kommen.
Beginn: 19 Uhr
Eintritt: frei

 

Freitag, 6.Mai

IMG_8983

Heute haben
Ludwig Börne * 1786
Rabindranath Tagore * 1862 (Nobelpreis 1913)
Christian Morgenstern * 1871
Erich Fried * 1921
Franz Mon * 1926
Geburtstag.
Aber auch Sigmund Freud, Ernst Ludwig Kirchner, Orson Welles, Hanns Dieter Hüsch, Tony Blair, George Clooney und Till Brönner.
__________________________

Christian Morgenstern
Es war ein solcher Vormittag

Es war ein solcher Vormittag,
wo man die Fische singen hörte,
kein Lüftchen lief, kein Stimmchen störte,
kein Wellchen wölbte sich zum Schlag.

Nur sie, die Fische, brachen leis
der weit und breiten Stille Siegel
und sangen millionenweis‘
dicht unter dem durchsonntenSpiegel.
_____________________

_______________________

Unser Buchtipp für die ganze Familie:

9783956400926

Didier Lévy und Marc Boutavant:Der Popo von Hippopo
Aus dem Französischen von Ulrich Pröfrock
Satz und Gestaltung: Arne Bellstorf
Reprodukt Verlag € 12,00
ab 6 Jahren

Den Illustrator Marc Boutavant kennen wir von den hier schon vorgestellten Bilderbüchern „Niemals wilde Katzen kitzeln“ und „Edmund

“Ich habe einen dicken Hintern”, sagt das Nilpferd. “Zeig mal!”, rufen gleich die anderen Tiere. Schnell ist eine hitzige Diskussion entbrannt: Ist Hippopos Popo nun klein oder groß? Oder doch eher so mittel? Die Tiere werden sich einfach nicht einig, bis gar die ersten faulen Früchte fliegen. Auweia! Glücklicherweise stellt sich der Frieden schnell wieder ein, als ein jeder auf seinem Töpfchen sitzt. Passt, wackelt und hat Luft! Genau die richtige Größe hat er, dieser Popo!
Ich musste aus vollem Halse lachen. Diese Geschichte ist so wahr, ernst und gleichzeitig auch so witzig. Oh meine Nase ist krumm, meine Ohren zu groß, die Hände zu klein, der Po zu dick. Die Lippen zu dünn und die Haare zu ströpselig.
Genau um das geht es im wahren Leben und in hier in diesem kleinformatigen Bilderbuch. Und dass dann jeder Po doch passt und genau so sein soll, wie er ist, zeigen uns Text und Bilder dieses sehr treffenden Buches.

Hier ein paar Leseproben:

9783956400926_interior_009783956400926_interior_01

9783956400926_interior_02

9783956400926_interior_03

 

9783956400926_interior_04

9783956400926_interior_05

9783956400926_interior_06

9783956400926_interior_07

9783956400926_interior_08

9783956400926_interior_09
__________________________________

Die Literaturwoche Donau 2016 geht, obwohl sie deutlich länger geht als ne Woche, nun doch auch mal zu Ende.

Samstag, 7. Mai ab 18 Uhr (Quereinstieg jederzeit möglich…)
Schluss mit Hesse und ganz viel Musik
Literaturfest mit dem Verlag Klöpfer & Meyer, Autorin Felicitas Andresen
und der Band KNULP (Hamburg)
Eintritt: 8,00 €

Feiern wir den Abschluss der Literaturwoche Donau 2016 – und zwar
richtig: Verleger Hubert Klöpfer erzählt kurzweilig aus über 30
Verlagsjahren, Autorin Felicitas Andresen liest aus ihrem Erfolgsroman
„Sex mit Hermann Hesse“.
Ab 21 Uhr spielt die junge Kultband KNULP. Knulp, der sympathische
Landstreicher aus Hermann Hesses gleichnamigen Roman, ist der Pate und
Namensgeber der Singer-Songwriterkooperation, von Marco Moritz und
Marcus Molière. Folk und Seefahrtromantik zwischen Lemmy Kilmister und
Bing Crosby.

Donnerstag, 28.April

IMG_8901

Heute haben
Kark Kraus * 1874
Bruno Apitz * 1900
Harper Lee * 1926
Terry Pratchett * 1948
Roberto Bolano * 1953
Ian Rankin * 1960
Geburtstag
______________________

bce822f9ea

Horst Klein:Haltet den Die!
Das verrückte ABC der geklauten Buchstaben
Klett Kinderbuch Verlag € 9,95

In unsrem Alphabet ja wirklich alles steht.
Doch würd man Buchstaben stehlen, würd uns dann was fehlen?

Der Buchstabendieb hat es wirklich faustdick hinter den Ohren. Klaut er doch der Bauchtänzerin ein A und schon wird sie zur Buchtänzerin. Tolle Idee. Sollten wir vielleicht engagieren.
„Eine mollige Bauchtänzerin bekäm ohne A nur Seltsames hin.“

Stiehlt er den Fußballspieler während des Spieles ein B, dann schauen sie ganz schön blöd ins All.
Ganz schnell werden aus einer Einbauküche Einbaukühe. Was die zu tun haben, erfahren Sie in diesem „lehrreichen“ Kinderbuch.
Verwunderlich wird es dann schon, wenn aus einer Kuscheldecke ohne D eine Kuschelecke wird. Da machen die Nachbarn aber große Augen.
Und wenn der Dieb dem Weihnachtsmann ein I klaut, dann jammert er laut Aua!Aua! vor lauter Weh.
Auch aus einem Kindergarten ohne K wird etwas ganz was anderes. Genauso beim Eisverkäufer, dem mal eben ein S abhanden kommt. Da bleibt ihm nur noch ein „Smilst niente“ zu sgen. Mit seinem Ei in der Waffel.
Ein großer Spaß für alle, die das Lesen lernen und hiermit sicherlich viel Spaß haben werden. Und gleichzeitig auch noch eine prima Anregung für weitere Wortveränderungen.

Leseprobe
_____________________________

bilgerverlag-mittel

Heute, am 28.April um 19:30 im Edwin Scharff Museum, Neu-Ulm
Der Bilgerverlag aus Zürich geht ins Museum
mit Verleger Ricco Bilger und Autor Roger Monnerat
Musik: “KURZWEIL” – Julius Wunderle (Saxophon) und Jonathan Frey (Piano)
Eintritt: 6,00 € / 4,00 €

Neuentdeckungen, Wiederauflagen, Blicke über den Tellerrand: Ricco Bilgers Verlag ist eine Fundgrube für Leser, die nach dem Besonderen suchen. Das finden sie zum Beispiel im Werk von Roger Monnerat, der an diesem Abend seine Bücher vorstellt: blitzgescheite Prosa mit Einsprengseln von Humor und Surrealität.
Und: Ricco Bilger ist ein großartiger Erzähler.
http://www.bilgerverlag.ch