Freitag, 19.Mai

Rainer Maria Rilke

Das ist der Tag, in dem ich traurig throne,
das ist die Nacht, die mich ins Knieen warf;
da bet ich: dass ich einmal meine Krone
von meinem Haupte heben darf.

Lang muss ich ihrem dumpfen Drucke dienen,
darf ich zum Dank nicht einmal ihren blaun
Türkisen, ihren Rauten und Rubinen
erschauernd in die Augen schaun?

Vielleicht erstarb schon lang der Strahl der Steine,
es stahl sie mir vielleicht mein Gast, der Gram,
vielleicht auch waren in der Krone keine,
die ich bekam?…

„Rilke und Russland“
Trinationales Forschungs- und Ausstellungsprojekt
Marbach – Bern, Zürich – Moskau
Deutsche Schillergesellschaft € 30,00

„Dass Russland meine Heimat ist, gehört zu jenen großen und geheimnisvollen Sicherheiten, aus denen ich lebe.“
Rilke

Insgesamt zweimal, 1899 und 1900, besuchte Rainer Maria Rilke gemeinsam mit Lou Andreas-Salomé Russland und die heutige Ukraine. Diese Reisen sollten als eine der wirkmächtigsten Auslandserfahrungen in die Geschichte der deutschsprachigen Literatur eingehen. Für Rilke selbst waren sie ein Erweckungserlebnis – persönlich, künstlerisch und spirituell. Viele Spuren seiner intensiven Beschäftigung mit den »russischen Dingen« finden sich in seinem Werk. Nur wenige Dichter der Moderne sind in Russland vor der Oktoberrevolution so stark rezipiert worden. Russland blieb für Rilke zeitlebens Heimat und Sehnsuchtsort.

Quadratisch, matt schwarz mit geprägter Schrift liegt der Katalog vor mir. Die Marbacher machen einfach tolle Kataloge. Vollgepackt mit Dokumenten und Fotos, meine ich fast hineingreifen zu können.
Ilma Rakusa schreibt über das „Projekt“ Rilke in Russland. Dass sie selbst auf diesen Spuren in Russland unterwegs ist, wundert sie. Obwohl sie schreibt, dass sie schon immer Rilke im gepäck hatte, ist diese Reise im Jahr 2016 doch etwas ganz Besonderes. Allein schon dieser Reisebericht ist wirklich stark und erhellend.

Im Rahmen der trinationalen Ausstellung werden erstmals die Zeugnisse dieser legendären Faszination zusammengeführt: Tagebücher, Dokumente und Bilder aus dem Deutschen Literaturarchiv, dem Schweizerischen Literaturarchiv, dem Rilke-Archiv in Gernsbach, dem privaten Lou-Andreas-Salomé-Archiv in Göttingen sowie vor allem Briefe aus russischen Archiven und Sammlungen. Zwei zeitgenössische Künstlerinnen und ein Künstler öffnen zudem gegenwärtige Perspektiven auf Rilkes Reisewege in Russland: Fotografien von Mirko Krizanovic und Barbara Klemm sowie ein Film von Anastasia Alexandrowa werden korrespondierend zu den historischen Materialien gezeigt.

Die Ausstellung läuft vom 3. Mai bis zum 6. August 2017.
Die Öffnungszeiten sind von
Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr

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Freitag, 9.November

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Heute haben
John Milton * 1608
Ödön von Horváth * 1901
Wolfgang Hildesheimer * 1916
Michael Krüger * 1943
Anna Gavalda * 1970
Geburtstag
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Heute im Duden Gedichte Kalender 2017

Rainer Maria Rilke
Es gibt so wunderweiße Nächte

Es gibt so wunderweiße Nächte,
drin alle Dinge Silber sind.
Da schimmert mancher Stern so lind,
als ob er fromme Hirten brächte
zu einem neuen Jesuskind.

Weit wie mit dichtem Diamantstaube
bestreut, erscheinen Flur und Flut,
und in die Herzen, traumgemut,
steigt ein kapellenloser Glaube,
der leise seine Wunder tut.
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9783423280822

Mascha Kaléko: „Feine Pflänzchen
Geschenkbuch mit Illustrationen der Künstlerin Eva Schöffmann-Davidov

Mascha Kalékos Verse sind bekannt für ihren Wortwitz und ihren Charme. In „Feine Pflänzchen“, bisher als Einzelband nur einmal 1976 in einer limitierten handgesetzten Ausgabe erschienen, besingt sie in gewohnter Manier und mit kreativen Wortschöpfungen allerlei Gewächse, nicht nur botanische.

Die Kartoffel

Man ißt sie.Und man trinkt sie auch
(Kaetoffelschnaps) vom Glase.
Der Arzt kennt den Krtoffelbauch
Und die Kartoffelnase.

Aber auch Erbsen, Spinat, Spargel, Pilze (sone und solche), Zwiebeln (und Verwandtes), Bohnen, Rosen und allerlei Küchenkräuter tauchen hier in kurzen Gedichten auf und sind ganz fein in grüner Farbe illustriert.

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Der Mond blickt auf den Blumengarten:
In rotem Samt , geschmückt zum Fest,
Die Georginen traurig waren,
Weil kein Georg sich sehen läßt.
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Heute abend um 20 Uhr im Ulmer Stadthaus

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One Million Steps – Moments of Movement
Kurzfilmpremiere und VJ-Tanzperformance

Eva Stotz, Katarina Schröter und Marije Nie laden zu dem Themenabendein: Moments of Movement – zwischen Ankommen und Schon-immer-da-gewesen-sein.

Drei Arbeiten durchleuchten die weltweite Bewegung im Spannungsfeld von Fliehen und Wurzeln schlagen, Aufbau und Abbruch, Heimat unterwegs, Heimat die sich verändert, Mythos Heimat. Ein Versuch die Perspektiven aller zu verstehen.
Der Abend beginnt mit dem Kurzfilm „One Million Steps“ und damit mit einer Aufbruchsbewegung in Istanbul, schraubt sich mit der VJ-Tanz-Performance „Moments of Movement“ in eine globale Vogelperspektive und taucht mit „Obermarchtal und der Rest der Welt“ ein in die Lebensrealität von kürzlich Geflüchteten und lang Eingesessenen in Obermarchtal, einer Gemeinde im Alb-Donau Kreis.

Eintritt frei

Samstag, 3.Dezember

Heute haben
Samuel Butler * 1835
Joseph Conrad * 1857
Rainer Maria Rilke * 1875
Friedo Lampe * 1899
Stefan george * 1933
Franz Joseph Degenhardt * 1931
Ursula Krechel * 1947
Geburtstag
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Rainer Maria Rilke
Es gibt so wunderweiße Nächte

Es gibt so wunderweiße Nächte,
drin alle Dinge Silber sind.
Da schimmert mancher Stern so lind,
als ob er fromme Hirten brächte
zu einem neuen Jesuskind.

Weit wie mit dichtem Demantstaube
bestreut, erscheinen Flur und Flut,
und in die Herzen, traumgemut,
steigt ein kapellenloser Glaube,
der leise seine Wunder tut.
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Das dritte Türle des Adventskalenders ist geöffnet.

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Kommen Sie gut durch das Wochenende.

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