Mittwoch, 13.September

Heute haben
Jaroslav Seifert * 1901 (Nobelpreis 1984)
Per Olov Enquist * 1934
Antonio Tabucchi * 1943
Geburtstag.
Aber auch Bruce Springsteen, Romy Schneider und Ray Charles.
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Friedrich Hebbel
Wenn die Rosen ewig blühten …

Wenn die Rosen ewig blühten,
Die man nicht vom Stock gebrochen,
Würden sich die Mädchen hüten,
Wenn die Burschen nächtlich pochen.

Aber, da der Sturm vernichtet,
Was die Finger übrigließen,
Fühlen sie sich nicht verpflichtet,
Ihre Kammern zu verschließen.
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Die Shortlist ist raus. Alle Zeitungen berichten, analysieren und stellen Vermutungen an.
Welches Buch bekommt den Buchpreis 2017?
Keine Bange: Am Mittwoch, den 4.Oktober findet bei uns in der Buchhandlung das legendäre Shortlistlesen statt. Marion Weidenfeld und Clemens Grote lesen aus den sechs Bücher und wir stimmen ab. Jastram sagt der Jury, wo es lang geht. Und das alles mit viel Spaß. Bitte jetzt schon Plätze reservieren, damit Sie nicht auf dem Boden sitzen müssen.

Hier können Sie sich schon einmal einstimmen auf die sechs Bücher:

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Gerhard Falkner:Romeo oder Julia
Berlin Verlag € 22,00

Auf einem Schriftstellertreffen in Innsbruck passiert Kurt Prinzhorn etwas Merkwürdiges: Jemand muss während seiner Abwesenheit ein ausgiebiges Schaumbad in der Wanne seines Hotelzimmers genommen und dort bewusst Spuren hinterlassen haben. Nichts deutet jedoch auf ein fremdes Eindringen hin. Wenig später in Madrid, wo der Autor einer früheren Geliebten wiederbegegnet, reißt die Kette seltsamer Geschehnisse nicht ab – bis die Puzzleteile seiner Erinnerung ein Bild ergeben, das ihn weit in seine Vergangenheit zurückführt. Doch dann wird unter dem Fenster von Prinzhorns Zimmer in Madrid eine tote Frau gefunden.

Kommentar der Jury:
„Romeo oder Julia“ besteht aus drei Teilen, und tatsächlich erinnert der Roman an ein Triptychon. Hier ist jedes Wort mit feinem Pinsel gemalt, jeder Satz aufs schärfste angespitzt. Vordergründig handelt der Roman ja von den Abenteuern eines Schriftstellers, im Grunde aber geht es um das Abenteuer der Sprache, um das Abenteuer des Schreibens, und darum, wie mit Sprache Welt erschaffen wird, wie mit jedem Wort Entscheidungen getroffen werden: „Romeo ODER Julia“ eben.

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Franzobel:Das Floß der Medusa
Paul Zsolnay Verlag € 26,00

18. Juli 1816: Vor der Westküste von Afrika entdeckt der Kapitän der Argus ein etwa zwanzig Meter langes Floß. Was er darauf sieht, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren: hohle Augen, ausgedörrte Lippen, verbrannte Haut voller Wunden und Blasen … Die ausgemergelten Gestalten sind die letzten 15 von ursprünglich 147 Menschen, die nach dem Untergang der Fregatte Medusa zwei Wochen auf offener See überlebt haben. Da es in den Rettungsbooten zu wenige Plätze gab, wurden sie einfach ausgesetzt. Aus der Perspektive des Küchenjungen Victor wird erzählt, wie es zu dieser Tragödie kommen konnte.

Kommentar der Jury:
„Wo es kein Brot gibt, gibt es kein Gesetz mehr.“ Wie einfach ist dieser Satz. Und wie bedrückend wahr ist er. Franzobel hat uns mit seinem Roman eine alte Geschichte aufgetischt, die sich vor 200 Jahren zugetragen hat. Warum sollen wir diese Geschichte heute noch lesen? Franzobel schreibt uns dies ins Gedächtnis: Wir alle fahren gemeinsam auf dieser Fregatte und kämpfen gemeinsam auf dem Floß der Medusa ums Überleben. Denn – wie gesagt – da, wo es kein Brot gibt, wird es auch kein Gesetz mehr geben. Das ist bis heute gültig. Der Roman ist also auch eine kleine, ungeheuerliche Menschheitsgeschichte auf gerade einmal knapp 600 spannenden Seiten.

Thomas Lehr:Schlafende Sonne
Hanser Verlag € 28,00

Ein Jahrhundert Deutschland – an einem Tag. Rudolf Zacharias reist nach Berlin. Dort will er die Vernissage seiner früheren Studentin Milena Sonntag besuchen. In ihrer Ausstellung „Schlafende Sonne“ zieht Milena nicht nur eine künstlerische Lebensbilanz, sondern die ihrer Zeit. Wie in Bildern einer Ausstellung erzählt dieser Roman von den historischen Katastrophen und von den privaten Verwicklungen dreier Menschen, führt von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs bis ins heutige Berlin.

Kommentar der Jury:
Thomas Lehr verhandelt, ausgehend von einem einzigen Tag, ein ganzes Jahrhundert und entwirft ein Geschichtslabyrinth, in dem er die komplexen Ereignisse und Verwerfungen souverän platziert und – im Wortsinn – neu zur Sprache bringt. Mit einer Mischung aus spannender Erzählung, Reflexion und ästhetischem Wagemut bricht er mit unseren Wahrnehmungsmustern und macht die Literatur selbst zum Instrument der Erkenntnis. Seite um Seite neue Blicke auf scheinbar Vertrautes, ein Archiv der Sinne, des Bewusstseins und all der sich überlagernden Bereiche, aus denen sich das speist, was wir unser Wissen nennen.

Robert Menasse:Die Hauptstadt
Suhrkamp Verlag € 24,00

Beamtin Fenia Xenopoulou soll das Image der Europäischen Kommission aufpolieren. Sie beauftragt den Referenten Martin Susman, eine Idee zu entwickeln. Die Idee weckt ein Gespenst aus der Geschichte, das für Unruhe in den EU-Institutionen sorgt. Kommissar Brunfaut muss aus politischen Gründen einen Mordfall auf sich beruhen lassen. Alois Erhart, Emeritus der Volkswirtschaft, soll in einem Think-Tank zur Zukunft Europas Worte sprechen, die seine letzten sein könnten. Und was macht Brüssel? Es sucht einen Namen – für das Schwein, das durch die Straßen läuft.

Kommentar der Jury:

Robert Menasse verwebt Zeiten, Nationen und Institutionen zu einer einzigartigen Panoramaaufnahme von Europa – kriminalistisch angetrieben, philosophisch durchdrungen und dabei immer grundironisch. Ganz in der Tradition von Balzacs Vorstellung kritischer Zeitgenossenschaft ist „Die Hauptstadt“ ein Roman, der alles über unsere Zeit enthält, ohne je zeitgeistig zu werden.

Marion Poschmann: „Die Kieferninseln
Suhrkamp Verlag € 20,00

Gilbert Silvester, Privatdozent und Bartforscher, steht unter Schock. Letzte Nacht hat er geträumt, dass seine Frau ihn betrügt. In einer absurden Kurzschlusshandlung verlässt er sie, steigt ins erstbeste Flugzeug und reist nach Japan, um Abstand zu gewinnen. Dort fallen ihm die Reisebeschreibungen des klassischen Dichters Bashō in die Hände, und plötzlich hat er ein Ziel: Wie die alten Wandermönche möchte auch er den Mond über den Kieferninseln sehen. Aber noch vor dem Start trifft er auf den Studenten Yosa, der mit einer ganz anderen Reiselektüre unterwegs ist, dem Complete Manual of Suicide.

Kommentar der Jury:
Mit der Intensität eines Haikus setzt Marion Poschmann ein unvergessliches Figurenpaar in die literarische Landschaft. Wie die beiden mit Matsuo Bashō und Selbstmordanleitung den Großstadttrubel und mythische Gefilde durchstreifen, ist pure Lesefreude! Der Roman ist eine Lebenswanderung, in der zwei konträre Charaktere mit gegensätzlichen Zielen ihr Selbst entfalten und ihrer Berufung entgegenlaufen. Jedes augenscheinlich noch so unbedeutende Detail wird Poesie. Poschmanns Perspektivwechsel zwischen Weitwinkel und Zoom, der inneren und der äußeren Welt erzeugen Tempo und subtile Spannung. Mit der Wanderung auf Bashōs Spuren schlägt sie eine Brücke über die Zeiten. Gekonnt, erfrischend locker, tiefenscharf.

Sasha Marianna Salzmann:Außer sich
Suhrkamp Verlag € 22,00

Sie sind zu zweit, von Anfang an, die Zwillinge Alissa und Anton. In der Zweizimmerwohnung im Moskau der postsowjetischen Jahre verkrallen sie sich in die Locken des anderen, wenn die Eltern aufeinander losgehen. Später, in der westdeutschen Provinz, streunen sie durch die Flure des Asylheims. Und noch später verschwindet Anton spurlos. Irgendwann kommt eine Postkarte aus Istanbul – ohne Text, ohne Absender. Alissa macht sich auf die Suche – nach dem verschollenen Bruder, aber vor allem nach einem Gefühl von Zugehörigkeit jenseits von Vaterland, Muttersprache oder Geschlecht.

Kommentar der Jury:
Ein Debütroman mit großer sprachlicher und dramaturgischer Kraft: Vom postsowjetischen Moskau über ein Asylheim in der westdeutschen Provinz bis in ins heutige Istanbul, erzählt Sasha Marianna Salzmann von den Umbrüchen und der Verbundenheit der Flüchtlingsfamilie Tschepanow. Vor allem erzählt sie aber sicher, perspektivenreich, humorvoll und mit großer Unbedingtheit von der jungen Generation dieser Heimat-Wanderer, die um die eigene Identität kämpft: sprachlich, politisch und sexuell. Für die persönlichen Träume dieser weltumspannenden Generation dekliniert sie das Scheitern an der Realität mit einem faszinierend eigenen Ton wieder neu. Europa wird in diesem Buch größer, es wird aber noch keine Heimat.

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Mittwoch, 21.September

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Heute haben
HG Wells * 1866
Leonard Cohen * 1934
Klaus Kordon * 1934
Stephen King * 1947
Frédéric Beigbeder * 1965
Geburtstag
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„Famous Blue Raincoat“

It’s four in the morning, the end of December
I’m writing you now just to see if you’re better
New York is cold, but I like where I’m living
There’s music on Clinton Street all through the evening.
I hear that you’re building your little house deep in the desert
You’re living for nothing now, I hope you’re keeping some kind of record.

Yes, and Jane came by with a lock of your hair
She said that you gave it to her
That night that you planned to go clear
Did you ever go clear?

Ah, the last time we saw you you looked so much older
Your famous blue raincoat was torn at the shoulder
You’d been to the station to meet every train
And you came home without Lili Marlene

And you treated my woman to a flake of your life
And when she came back she was nobody’s wife.

Well I see you there with the rose in your teeth
One more thin gypsy thief
Well I see Jane’s awake —

She sends her regards.

And what can I tell you my brother, my killer
What can I possibly say?
I guess that I miss you, I guess I forgive you
I’m glad you stood in my way.

If you ever come by here, for Jane or for me
Your enemy is sleeping, and his woman is free.

Yes, and thanks, for the trouble you took from her eyes
I thought it was there for good so I never tried.

And Jane came by with a lock of your hair
She said that you gave it to her
That night that you planned to go clear —

Sincerely, L. Cohen
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Nils Petter Molvaer: „Buoyancy“

OKeh CD € 19,99

Nils Petter Molvaers neues Album hat es wieder in sich. Sorgte er schon mit seinen ersten Platten für Furore und hat er doch beim Label ECM große Erfolge gefeiert. Wahrscheinlich wollte er aber nicht bis an sein Lebensende im ECM-Sound weiterproduzieren und ist im Moment beim Label OKeh gelandet. Und wie! Wer von dieser Platte nicht süchtig wird. Er überrascht, zieht alle Register, lässt uns staunen und wundern. Kaum wippen wir mit der kleinen Zeh, nimmt seine Musik eine andere Wendung. Wobei man ehrlicherweise sagen sollte, dass es dieses Mal ein wirkliches Bandalbum geworden ist und keine Solo-Trompeten-Scheibe mit Anhang.
Die Band, das sind Geir Sundstöl (Gitarren, Banjos) und der ehemalige Madrugada-Schlagzeuger Erland Dahlen (Drums, Percussions, Xylofon, Klavier). Beide waren schon auf seinem Vorgänger „Switch“ (2014) zu hören. Jo Berger Myhre (Bass, Keyboards, Gitarren) ist neu in dieser Formation. Dazu noch Molvaers Trompete und allerlei elektronische Effekte. Eine Band mit einer sehr großen Breite, was die Instrumente und der daraus entstehende Sound betrifft.
All zu viel gibt es im Moment nicht zu hören. Auf youtube habe ich eine Reinhörprobe gefunden, die andeutungsweise zeigt, wo Molvaert und seine Band einzuordnen sind.

Beginnt die Band etwas schwülstig (fast wie Pink Floyd (Sorry Mr Fisherman)), klingt es fast minimalistisch im zweiten. Höhepunkte sind da schon die Tracks 5 und 7 mit längeren Stücken, die ein wahre Freude sind. Ich denke, ein Live Konzert mit den Jungs wäre eine Reise wert.
Uns bleibt erst mal die CD, die man wirklich mehrfach anhören sollte, um das Können der Band zu realisieren.
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Die Shortlist für den Deitschen Buchpreis ist bekannt.
Hier sind die letzten sechs Titel, aus denen Clemens Grote am kommenden Dienstag vorlesen wird:

Reinhard Kaiser-Mühlecker: Fremde Seele, dunkler Wald (S. Fischer)
Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis (Frankfurter Verlagsanstalt)
André Kubiczek: Skizze eines Sommers (Rowohlt Berlin)
Thomas Melle: Die Welt im Rücken (Rowohlt Berlin)
Eva Schmidt: Ein langes Jahr (Jung und Jung)
Philipp Winkler: Hool (Aufbau)

Samstag

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Heute haben
T.S.Eliot * 1888
Victor O.Stomps * 1897
Peter Turrini * 1944
Jane Smiley * 1949
Geburtstag
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Unser Musiktipp für etwas Ruhe in unserer lauten Zeit:

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Martin Tingvall: „Distance“
Skip 2015
CD € 19,99
LP € 22,00

Der schwedische Pianist Martin Tingvall, der in Deutschland mit seinem Trio sehr bekannt sein dürfte, lebt seit Jahren in Hamburg und schreibt dort Filmusiken und für seinen Freund Udo Lindenberg Popsongs. (Sachen gibt’s)
Auf seinen eigenen Scheiben und auf den Bühnen rund um die Welt geht er einen anderen Weg und lässt uns seinen ruhigen Sound spüren. Mit seiner neuen CD „Distance“ macht er konsequent weiter. Er begibt sich „auf die Suche nach der Distanz. Distanz zur Schnelllebigkeit unserer heutigen Zeit, aber zum Beispiel auch die Entfernung, die entsteht, wenn man sich kaum mehr persönlich trifft, weil die meisten zwischen-menschlichen Kontakte über digitale Medien laufen.„, so sagt er selbst. Für sich selbst findet er Distanz zu dieser hektischen, schrillen, bunten Musikwelt u.a. auf Reisen durch Island. Von dort bringt er Mythologien mit, die er zu Musik umformt.
Ein Land,das einem eine ganz neue Perspektive gibt. Und trotz oder vielleicht gerade wegen der riesigen Entfernungen dort habe ich das Gefühl gehabt, dass es eine viel größere zwischenmenschliche Nähe gibt.In dieser ruhigen Stimmung tauchen plötzlich „fremde“ Melodien auf. Ein Blues ist zu hören. Genauso schnell verschwinden sie aber auch wieder und lassen Platz für andere Assoziationen.
Distanz wird er demnächst keine haben, denn er ist mit seinem Album auf Platz 2 der Jazz Jazz-Hitparade. Und bevor ich noch zuviel über Musik rede, wovon ich keine Ahnung habe und nur schreiben kann, ob sie mir gefällt oder nicht, hören Sie doch bitte in die Videos rein und machen sich selbst ihre eigenen Gedanken.

Website von Martin Tingvall

Martin Tingvall in der Nähe von Ulm:
19.10.2015 München – Black Box
23.10.2015 Karlsruhe – Tempel Kulturzentrum
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Die Shortlist für den deutschen Buchpreis ist veröffentlicht
und am Mittwoch, den 30.September veranstalten wir unser “Shortlistlesen”.
Beginn: 19 Uhr
Eintritt: frei

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Morgen gibt es wieder eine Sonntagsbeilage mit Skizzen von Detlef Surrey.