Donnerstag, 9.November

Heute haben
Iwan Turgenjew * 1818
Welimir Chlebnikow * 1885
Anne Sexton * 1928
Imre Kertesz * 1929
Edoardo Nesi * 1964
Geburtstag
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Theodor Storm
Mit einer Handlaterne

Laterne, Laterne!
Sonne, Mond und Sterne,
Die doch sonst am Himmel stehn,
Lassen heut sich nimmer sehn;
Zwischen Wasserreih und Schloß
Ist die Finsternis so groß,
Gegen Löwen rennt man an,
Die man nicht erkennen kann!

Kleine freundliche Latern‘,
Sei du Sonne nun und Stern:
Sei noch oft der Lichtgenoß
Zwischen Wasserreih und Schloß
Oder – dies ist einerlei –
Zwischen Schloß und Wasserreih!
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„Horntrios“
Felix Klieser, Herbert Schuch, Andrej Bielow
CD Berlin Classic € 19,99

Duvernoy: Horntrios Nr. 1 c-moll & Nr. 2 F-Dur
Brahms: Horntrio op. 40
Koechlin: 4 Petites Pieces op. 32
Kahn: Serenade op. 73

Die Horntrios von Brahms haben den jungen Musiker Felix Klieser schon als 13jährigen interessiert. Als Student nahm er Meisterkurse beim Dresdner Hornisten Peter Damm. Der widerum meinte, dass der Student einen unglaublich warmen, weichen Ton aus seinem Instrument zaubern würde.
Jetzt hat Klieser mit zwei Musikern Trios aufgenommen und zeigt einen Querschnitt auf 100 Jahre Hornmusik.
Für sein Debüt-Album „reveries“ erhielt er den ECHO Klassik als „Nachwuchskünstler des Jahres“, im Jahr 2015 veröffentlichte er die CD „Horn Concertos“ mit Werken von Joseph und Michael Haydn, sowie W. A. Mozart, zusammen mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn unter Ruben Gazarian. Mit diesem Orchester trat er auch im Ulmer Kornhaus auf und bekam begeisternden Beifall.
Sein Buch „Fußnoten – Ein Hornist ohne Arme erobert die Welt“ wurde inzwischen, anlässlich seiner Tourneen, ins Japanische und Chinesische übersetzt.
Was ich jetzt doch noch erwähne: Felix Klieser kam ohne Arme auf die Welt und spielt sein Horn mit den Füßen.
Wir haben eine signierte CD im Laden.

Dienstag, 24.Oktober

Heute haben
Dorothea von Schlegel * 1764
August von Platen * 1796
Zsuzsa Bánk * 1965
Geburtstag.
Herzlich Glückwunsch zum Festtag, liebe Zsuzusa Bánk
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Gerrit Engelke
Herbst

Um die Großstadt sinkt die Welt in Schlaf.
Felder gilben, Wälder ächzen überall.
Wie Blätter fallen draußen alle Tage,
Vom Zeitwind weggeweht.

Ob Ebene und Wald in welkes Sterben fallen,
Ob draußen tost Vergänglichkeit,
Im Stadtberg brüllen Straßen, Hämmer hallen:
Die Stadt dampft heiß in Unrast ohne Zeit.
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Unser Musiktipp der Woche:

Avital Meets Avital
Deutsche Grammophon CD € 19,99

Nicht verwandt und nicht verschwägert, spielen die beiden Namensvetter Avi und Omar Avita, der eine aus Israel, der andere aus den USA, eine gelungene, kurzweilige Melange unterschiedlicher Stile und Kulturen ein. Avi mit der Mandoline und Omer am Bass wandeln zwischen Klassik und Jazz. Westliche Musik verbindet sich mit marrokanischen Beats. Tradition und Moderne fügen die Beiden zu einem großen Ganzen zusammen. Kennen wir Avi Avital bisher als Interpret klassiker Musik, so können wir ihn nun auch von seiner anderen Seite kennen.
Aber warum so viele Worte verwenden, wenn wir so tolle Musikbeispiele haben.
Buon divertimento.

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Morgen ist es so weit:

Mittwoch, 25.Oktober um 19 Uhr
Gabriele Glang: Göttertage
Moderation: Christiane Wachsmann
Bei uns in der Buchhandlung
Der Eintritt ist frei.

Mit einem Vorwort von Sibylle Knauss
»Paula Modersohn-Becker oder Das Ringen einer großartigen jungen Künstlerin um ihre Anerkennung in der von Männern geprägten Kunstwelt. In diesen fiktionalen lyrischen Monologen findet es seinen Ausdruck. Heute ist ihr Weltrang längst offenbar und unbestritten. Den Rang der Lyrikerin Gabriele Glang gilt es jetzt zu entdecken.«
Sibylle Knauss

Paris, Februar 1906: Die wenig erfolgreiche Malerin Paula Modersohn-Becker verlässt mit Anfang 30 ihren Künstlergatten Otto Modersohn, um sich in der flirrenden französischen Kunstmetropole neu zu erfinden. Nach sechs Jahren unbefriedigender Ehe ist sie der engstirnigen Worpsweder Künstlerkollegen überdrüssig. In der großen Freiheit soll endlich etwas aus ihr werden …

Mit ihren fiktionalen Monologen schlüpft die Lyrikerin und Malerin Gabriele Glang in die Haut der Paula Modersohn-Becker während ihres letzten Paris-Aufenthalts – ein halbes Jahr voller Höhen und Tiefen, in dem sie vollendete Bilder schafft. Ein Jahr später, drei Wochen nach der Geburt ihrer Tochter, stirbt sie.

Donnerstag, 5.Oktober

Heute haben
Denis Diderot * 1713
Kasimir Edschmid * 1890
Oswald Wiener * 1935
Václav Havel * 1936
Ulrich Ritzel * 1940
Peter Ackroyd * 1949
Charlotte Link * 1963
Geburtstag.
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Christian Morgenstern
Der Mond

Als Gott den lieben Mond erschuf,
gab er ihm folgenden Beruf:

Beim Zu- sowohl wie beim Abnehmen
sich deutschen Lesern zu bequemen,

ein a formierend und ein z –
dass keiner groß zu denken hätt‘.

Befolgend dies ward der Trabant
ein völlig deutscher Gegenstand.
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Christina Pluhar: „Händel Goes Wild“
Mitwirkende u.a.:ä L’Arpeggiata, Nuria Rial, Valer Sabadus, Gianluigi Trovesi
Erato CD € 19,99

Purcell, Monteverdi waren schon Thema bei Pluhar. Eigentlich war es schon längst an der Zeit, dass sie sich Händel vornimmt. Jetzt endlich legt sie eine Scheibe voller wilder Improvisatuionen vor. Gleichzeitig, vermischt und nebeneinander natürlich auch Originialstücke, Zitate und ein Vivaldi-Konzert, das Händel damals inspiriert hat. Pluhar gelingt mit ihren Musikern ein mitreißender Dialog über die Jahrhunderte hinweg und stellt nicht nur eine Neueinspielung von Händelstücken auf alten barocken Instrumenten dar. Allein schon der erste Ton der Klarinette ließ mich aufhorchen. Das ist doch, … ja er ist es: Gianluigi Trovesi. Dazu Klavier und Schlagzeug neben historischen Violinen, Lauten, Cembalo sowie den Star-Gesangssolisten Núria Rial und Valer Sabadus.
Händel war wohl selbst ein großer Improvisator hinter seinem Cembalo und fand seine Ideen im Zusammenspiel mit seinen Musikern. Und so etwas ähnliches können wir auch hier bei dieser Aufnahme hören, wenn wir von uns von den Barockinstrumenten plötzlich wegbewegen zu einer kleinen Jazzeinlage und wieder zurück zum Countertenor und den alten Instrumenten.
In der Erstausgabe der CD befindet sich noch ein ausführliches Booklet.