Oster-Sonntag

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Eigentlich wollte ich heute das neue Buch von Christoph Hein vorstellen.
Dann kam aber Vorlesen und Suchen und Frühstücken dazwischen.
Halt lauter solche Sachen, wenn die ganze Familie zusammensitzt.
So kommt der Buchtipp morgen und heute bleibt mir nur übrig,
Ihnen frohe Ostern zu wünschen.
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Christian Morgenstern
Die Sonne geht im Osten auf

Die Sonne geht im Osten auf,
der Osterhas beginnt den Lauf.
Um seinen Korb voll Eier sitzen
drei Häslein, die die Ohren spitzen.

Der Osterhas bringt just ein Ei
da fliegt ein Schmetterling herbei.
Dahinter strahlt das blaue Meer
mit Sandstrand vorne und umher.

Der Osterhas ist eben fertig
das Kurtchen auch schon gegenwärtig!
Nesthäckchen findet eins, zwei, drei,
ein rot, ein blau, ein lila Ei.

Ein Ei in jedem Blumenkelche!
Seht, seht, selbst hier, selbst dort sind welche!
Ermüdet leicht im Morgenschein
schlief Kurtchen auf der Wiese ein.

Die Glocken läuten bim, bam, baum,
und Kurtchen lächelt zart im Traum.
Di di didl dum dei, wir tanzen mit unsern Hasen
umgefaßt, zwei und zwei,
auf schönem, grünen Rasen.
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Samstag

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Heute haben Geburtstag:
Paul Verlaine * 1844
Sean O’Casey * 1880
Jean Giono * 1895.
Vor 160 Jahren wurde Vincent van Gogh geboren
und dies sind  auch noch Geburtstagskinder:
Céline Dion (45)
Wolfgang Niedecken (62)
Norah Jones (34)
Friedrich Wilhelm Raiffeisen (195)
Eric Clapton (68)
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Hier eine weitere Erzählung aus Bernd Schmitts Buch: „Lückentexte“, das bei uns im Laden erhältlich ist.
Die obigen Illustration von Dorothea Grathwohl finden Sie auch darin.

Georg Keifert
Er stand bereits in seinem neunten Lebensjahrzehnt, doch man konnte ihm eine gewisse Rüstigkeit nicht absprechen. Klein und hager durchfuhr er das Dorf in allen Richtungen auf seinem schweren, schwarzen Herrenfahrrad. Seine Augen waren nicht zu erkennen hinter den dicken Brillengläsern und so wirkte er immer ein wenig abwesend-autistisch, wenn er so gemächlich an einem vorüberglitt, vielleicht sogar ein kleines bisschen gespenstisch, denn bedenke ich es recht, so sah ich ihn eigentlich nie aufsteigen auf sein Rad noch absteigen, geschweige denn je zu Fuß daherkommen.
Bei jeder unserer seltenen Begegnungen schien er zwar noch ein wenig hagerer geworden zu sein, kleiner auch, so dass seine Füße bald kaum mehr die Pedale erreichen würden und seine stets aufrechte Haltung hatte allmählich etwas leicht Windschiefes bekommen, doch da er immer denselben blauen Arbeitsanzug trug, seine immergleiche Mütze auf dem Kopf und die Brille vor dem Gesicht hatte, konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass er seit dem letzten Treffen überhaupt nicht abgestiegen war, sondern unablässig sein Fahrrad durchs Dorf rollte, wie Sisyphos seinen Stein den Berg hinauf.
Wer weiß, was diesen Junginger Ahasver eines Tages erlöst hat.
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Kenya Hara: „Weiss“
Lars Müller Publishers € 25,00

„Weiss“ ist kein Buch über Farbe. Es ist vielmehr ein Versuch des Autors, das Wesen von Weiss zu ergründen, das er eng mit der Quelle der japanischen Ästhetik verbunden sieht, die für Einfachheit und Feinheit steht. Leere und das vollkommene Nichts sind die zentralen Begriffe, die in dieser Publikation diskutiert werden. Kenya Hara betrachtet seine Arbeit als Designer als eine reine Form von Kommunikation. Gute Kommunikation zeichnet sich durch gegenseitiges Zuhören aus, statt dem Gegenüber seine Meinung aufzudrängen. Diese Form der Verständigung wird von Kenya Hara mit einem «leeren Gefäss» verglichen. Ebenso gibt es in der visuellen Kommunikation Zeichen, deren Bedeutung begrenzt ist, aber auch Zeichen wie das Kreuz oder den roten Kreis auf der japanischen Flagge, die wie leere Gefässe, jede Beutung zulassen und der Vorstellung keine Grenzen setzen. Nicht nur die Tatsache, dass das japanische Schriftzeichen für Weiss Bestandteil der Schriftzeichen für Leere ist, haben ihn veranlasst, die Farbe Weiss in eine enge Verbindung mit dem Zustand der Leere zu setzen. Das Buch bietet einen persönlichen Einblick in die Philosophie des erfolgreichen Designers und Autors von „Designing Design“.

„Wir scheinen heute eine Rationalisierung der Sinne zu erleben. Die Kunst der Verfeinerung gerät in Vergessenheit, und die Aufmerksamkeit für Detail, Vertiefung und bedächtige Auseinandersetzung wird vernachlässigt. In seinem bestechend leichten Text über das Konzept «Weiss» stellt Kenya Hara sich dieser Tendenz entgegen. Seine persönliche Reise durch Konzepte, Objekte und Praktiken wie Leere, Papier und die japanische Teezeremonie eröffnet nicht nur ein Reich der gesteigerten Nuancierung und Verfeinerung. Indem er alltägliche Beobachtungen mit Reflexionen über die japanische Ästhetik und Sensibilität verbindet, verstärkt er zudem das Bedürfnis, unser Verständnis der Sinne kritisch zu revidieren. Dieses wichtige kleine Buch fordert damit die Simplifizierung heraus, die in die heutige Vorstellung von dem eingedrungen ist, was wir empfinden, erfahren und emotional verarbeiten können.“
Olafur Eliasson über „Weiss“

Das ist eines der Bücher, die einen schon von aussen überzeugen, das man unbedingt in die Hand nehmen will und wenn Sie angefangen ahben zu lesen, kommen Sie nicht mehr weg. Kenya Hara erwähnt daran auch das Buch „Lob des Schattens. Entwurf einer japanischen Ästhetik“ von Junichiro Tanizaki, das sich gerade mit dem Dunkel(n) auseinandersetzt. Das Schattenbuch erschien vor 80 Jahren und Kenya Hara ist Jahrgang 1958 und somit eine umgekehrte Fortsetzung der Gedankenspiele.

„Wenn ich über Weiss spreche, spreche ich nicht über Farbe. Vielmehr habe ich mich bemüht, den jeweils kulturell bedingten Ursachen für unsere Empfindung von Weiss nachzuspüren. Kurzum: Ich habe versucht, im Umfeld von Weiss nach dem Ursprung für eine Ästhetikauffassung zu fahnden, die Einfachheit und Subtilität hervorbringt.

Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, kann es passieren, dass Sie Weiss nicht mehr einfach als Weiss betrachten werden, Das ist ein zeichen dafür, dass Sie eine feiner abgestuften Wahrnehmung entwickelt haben. Vermutlich wird Ihnen das, was wirklich Weiss ist, plötzlich noch leuchtender erscheinen. Je sensibler Sie Weiss wahrnehmen, desto feinfühliger werden Sie auch Schatten differenzieren.“
(Aus dem Vorwort)

Kenya Hara schreibt u.a., dass das chinesisches Schriftzeichen für Weiss gleich dem für ausgebleichten Tierschädelknochen ist. Da muss man erstmal draufkommen. Gleichzeitig vergisst man so einen Vergleich nicht mehr.
Im zweiten Kapitel schreibt er über Papier, über das Erfühlen mit den Fingern, das Herstellen und die verschiedensten Arten, die es gibt.
In Kapitel 3 geht es um den leeren Raum und das 4.Kapitel heisst: „Hin zum Weiss“.

Wenn Sie ein ruhiges, kluges Buch lesen wollen; ein schmales Buch über die japanische Ästhetik, die hier im Gegensatz zu unserer schnellen Welt steht, in der es nur blickt und piept, dann sind Sie hier genau richtig.
Ein Traum von einem Buch.
P.s. Schauen Sie mal raus und Sie sehen den Neuschnee mit ganz anderen Augen.

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Nicht vergessen.
Dienstag, 2.April (gleich nach Ostern) um 19 Uhr
in unserer Buchhandlung.
Clemens Grote liest aus vier neuen, alten Büchern.

Schöne Ostern wünscht Samy Wiltschek

Freitag

Heute haben Ivan Goll (* 1891) und Ernst Jünger (* 1895) Geburtstag.
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Frühling in Ulm

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Mein Buch Tipp für die Feiertag, die wie für’s Lesen geschaffen sind:

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Elizabeth Taylor: „Versteckspiel
Aus dem Englischen von Bettina Abarbanell
Dörlemann Verlag € 23,90

Vor einigen Wochen habe ich von „Madame Bovary“ von Gustave Flaubert geschwärmt, der in einer sehr gepriesenen Neuübersetzung im Hanser Verlag erschienen ist. Nun zieht der Dörlemann Verlag aus Zürich mit einer weiteren Übersetzung eines Romanes von Elizabeth Taylor nach. Warum ich Emma Bovary erwähne? Ganz einfach. Harriet ist eine englische Variante von Emma in „Versteckspiel“. Als 18-jährige kommen sich Harriet und Vesey trotz Missbilligung ihrer Familien näher, aber nicht zusammen. Sie stottert, er hat hochtrabende Träume, die später dann doch verpuffen. Beide verlieren sich aus den Augen und Emma heiratet einen sehr biederen, deutlich älteren Anwält, der Charles heisst (s. Charles Bovary). Er sieht nicht nur so aus wie Flauberts Landarzt Charles Bovary, sondern er denkt und handelt auch so, worunter Harrier sehr leidet. Harriet weiss worauf sie sich einlässt und „erträgt“ ihr Schicksal innerhalb der vorgegebenen Konventionen. Als sie jedoch 20 Jahre später Vesey, der es nur zu einem kleinen Schauspieler gebracht hat, wiedertrifft, sucht sie nach einer zweiten Chance. Ein weiteres Versteckspiel beginnt; heimliche Treffen in unwirtlichen Orten, mit einem kränkelnden Geliebten.
Wie das alles endet, verrate ich hier nicht.
Nur so viel: es ist ein klasse Buch.
Der Dörlemann Verlag schafft es immer wieder mit Neuübersetzungen, mit Entdeckungen älterer auf dem Buchmarkt für große Verwunderung zu sorgen. „Madame de“ und „Ein Sonntag auf dem Lande “ sind nur zwei Beispiele dafür.
Schauen sie doch einfach am Dienstag nach Ostern bei uns in der Buchhandlung vorbei.
Ab 19 Uhr werden Sie dann ein kleines Dörlemann-Wunder erleben.

Elizabeth Taylor, geboren am 3. Juli 1912 in Reading, Berkshire, arbeitete zunächst als Hauslehrerin und Bibliothekarin. 1936 heiratete sie John Michael Taylor und lebte mit ihm in Penn, Buckinghamshire. Elizabeth Taylor war für kurze Zeit Mitglied der KP, danach Anhängerin der Labour Party. Taylors erster Roman, At Mrs Lippincote’s, erschien 1945. Elf weitere Romane, ein Kinderbuch und Kurzgeschichten folgten. Taylor befasst sich in ihren Werken vorwiegend mit den Facetten des Alltagslebens. 2007 verfilmte der französische Regisseur François Ozon den Roman The Real Life of Angel Deverell. Elizabeth Taylor starb am 19. November 1975 in Penn, Buckinghamshire.
Zuletzt erschienen: Blick auf den Hafen. Roman. Deutsch von Bettina Abarbanell.

Leseprobe
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