Dienstag, 14.November

Heute haben
Claude Monet * 1895
und Astrid Lindgren * 1907
Geburtstag.
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Paul Boldt
In der Welt

Ich lasse mein Gesicht auf Sterne fallen,
Die wie getroffen auseinander hinken.
Die Wälder wandern mondwärts, schwarze Quallen,
Ins Blaumeer, daraus meine Blicke winken.

Mein Ich ist fort. Es macht die Sternenreise.
Das ist nicht Ich, wovon die Kleider scheinen.
Die Tage sterben weg, die weißen Greise.
Ichlose Nerven sind voll Furcht und weinen.
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Keaton Henson:Gloaming
Luftschacht Verlag € 23

„Ich habe meine Kindheit alleine verbracht, mit dem Ausblick auf Dächer und Schornsteine, und habe mich gefragt, wo all die Kreaturen aus meinen Märchenbüchern waren, warum ich sie nicht in der Vorstadtlandschaft sehen konnte, wo sie doch eindeutig hingehörten. Nun, da ich erwachsen bin, lässt mich diese Idee nicht los, und im Laufe eines Jahres in Abgeschiedenheit beschloss ich, dass meine Heimatstadt Monster bräuchte. Das Ergebnis ist dieses Buch. Es zeigt, wo ich lebe, was ich sehe, und wie ich mir wünsche, dass es sein könnte. Ich nenne es Gloaming.“
Keaton Henson

Es ist schon sehr verstörend, was mir da entgegenkommt. Diese Graphic Novel, in schwarzweiss gezeichnet, erinnert an englische Gespenstergeschichten, Kindheitsphantasien, Erwachsenenängste, japanische Comics und immer wieder zeigt sich eine warme Geborgenheit, die zuerst gar nicht zu vermuten ist.
Der englische Maler, Musiker und Poet erzählt eine melancholische Geschichte ohne Worte. Er schafft sich eine eigene Welt, die er selbst Gloaming nennt. Er zeichnet Kreaturen, die in Stadtlandschaften und Vorstädten herumschleichen, in Wohnungen eindringen. Irgendwie auf der Suche nach … Ja nach was? Geborgenheit? Dazuzugehören?
Ich blättere vor, dann wieder zurück, bleibe bei bestimmten Bildern hängen. Nehme den Schutzumschlag ab und schaue auf deren Innenseite, die auch bedruckt ist. Nichts ist dem Zufall überlassen. Alles hängt zusammen. Ein eigene Szenerie, die so fremd ist und doch gleich um die Ecke auftauchen könnte.

Draußen ist alles weiß verreift, zwischen den Bäumen ist es noch dunkel.
Vielleicht …., wenn wir genau hinschauen …?

In der „Tiny Desk“ Serie können wir Keaton Henson als Sänger und Musiker zuhören.

Mittwoch, 8.November

Heute haben
Bram Stoker * 1847
Margaret Mitchell * 1900
Peter Weiss * 1916
Kazuo Ishiguro * 1954
Geburtstag
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Heinrich Heine
Wo?

Wo wird einst des Wandermüden
letzte Ruhestätte sein?
Unter Palmen in dem Süden?
Unter Linden an dem Rhein?

Werd ich wo in einer Wüste
eingescharrt von fremder Hand?
Oder ruh ich an der Küste
eines Meeres in dem Sand?

Immerhin! Mich wird umgeben
Gottes Himmel dort wie hier,
und als Totenlampen schweben
nachts die Sterne über mir.
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Laura Freudenthaler:Die Königin schweigt
Droschl Verlag € 20,00

Laura Freudenthaler, 1984 in Salzburg geboren, legt ihren ersten Roman vor, nachdem sie schon einen Band mit Erzählungen veröffentlicht hat. In kurzen Kapiteln erzählt sie das Leben von Fanny nach. Fanny, die in den 30er Jahren auf einem Bauernhof in Österreich zur Welt gekommen ist. Verträumt schaut sie in diese starre Welt voller Normen und harter Arbeit. Sie schaut auf zu ihrem älteren Bruder, der aus dem Krieg nicht mehr zurückkehrt. Fanny verlässt das elterliche Gehöft, geht auf eine Wirtschaftsschule, heiratet den kommunistischen Dorflehrer. Wir verfolgen dieses Leben, bis Fanny als Dame alleine in ihrer Wohnung sitzt und sich nicht mehr so richtig an die passenden Worte für das vor ihr liegende Kreuzworträtsel erinnert. Mit dieser Sequenz beginnt auch der Roman, bevor er chronologisch weitererzählt wird. Laura Freudenthaler erzählt in kurzen Kapiteln, manchmal nur eine halbe Seite lang. Sie schreibt unspektakulär, reiht Episode an Episode und ihre ruhige Erzählweise nimmt uns mit in eine andere, in eine verschwundene Welt mit. Eine Welt, die voller unausgesprochener Gesetze ist, voller Normen und unerreichbaren Hoffungen. Blitzt etwas auf, das eine Veränderung verspricht, erlischt dieses Licht ungenutzt wieder. Diese warme Melancholie zieht sich durch die Kapitel.
Eigentlich sollte Fanny in ein leeres Buch, das ihr ihre Enkelin geschenkt hat, das aufschreiben, was sie erlebt hat. Das Buch bleibt, bis auf eine Widmung der Enkelin, leer.
„Über gewisse Dinge spricht man nicht“ ist ein Zitat und passt genau auf den Titel, in dem die Königin schweigt. Fanny kann und will nicht erzählen und so übernimmt die Enkelin und auch die Autorin diesen Part. Sie notiert auf, reiht aneinander und legt es vor uns hin.
Ich wünsche mir mehr solcher Bücher, die nicht durch Lautstärke und Geprotze punkten, sondern durch die Kraft der Sprache funktionieren.

Leseprobe
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Premiere am akademietheater ulm
akademie für darstellende kunst – adk-ulm

Willkommen
Komödie von Lutz Hübner und Sarah Nemitz

Alles beginnt mit dem gemeinsamen Abendessen einer WG in Stuttgart.
Sophie, Benny, Jonas, Anna und Doro sitzen in lockerer Stimmung
zusammen. Dann kommt Bennys große Ankündigung: Er wird bald für ein Jahr
in New York sein. Nachdem sich die Begeisterung gelegt hat, wirft das
natürlich die Frage auf: Was machen wir solange mit dem leeren Zimmer?
Angesichts der aktuellen Notsituation, der Flüchtlingskrise und dem
Weltgeschehen macht Benny den Vorschlag, das Zimmer Geflüchteten zur
Verfügung zu stellen. Zuerst scheint es für alle eine tolle Idee zu
sein, doch in der Diskussion kommen langsam immer mehr Vorurteile hinter
der „Toleranz“ zum Vorschein.

Premiere Mi 08. November 2017 – 20:15 Uhr
Weitere Termine: Sa 11.11 / Fr 17.11. / Sa 18.11. / Fr 24.11. / Sa
25.11. jeweils 20:15 Uhr

Karten: 16 € / 12 € (ermäßigt)
Kartenreservierung unter: Tel. 0731-387531 / Mail: info@adk-ulm.de

Unterer Kuhberg 10
D – 89077 Ulm
fon 0049 (0)731 38 75 31
fax 0049 (0)731 38 85 185
mail info@adk-ulm.de – info@akademietheater-ulm.de
info http://www.adk-ulm.de