Mittwoch, 19.Juli

Heute haben Gottfried Keller und Wladimir Kaminer Geburtstag.

Gottfried Keller
Sommernacht

Das ist die üppige Sommerzeit,
Wo alles so schweigend blüht und glüht,
Des Juli stolzierende Herrlichkeit
Langsam das schimmernde Land durchzieht.

Ich hör ein heimliches Dröhnen gehn
Fern in des Gebirges dämmerndem Blau;
Die Schnitter so stumm an der Arbeit stehn,
Sie schneiden die Sorge auf brennender Au.

Sie sehnen sich nach Gewitternacht,
Nach Sturm und Regen und Donnerschlag,
Nach einer wogenden Freiheitsschlacht
Und einem entscheidenden Völkertag!
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

Mariana Leky:“Was man von hier aus sehen kann
DuMont Verlag € 20,00

Selma wohnt in einen kleinem Dorf im Westerwald, jeder kennt jeden und jeder hat seine eigene Geschichte. Auch weiß jeder, wenn Selma träumt, auf der Wiese zu stehen und ihr das Okapi erscheint, wird am nächsten Tag jemand im Dorf sterben. Unklar ist allerdings, wen es treffen wird. Als es sich herumspricht , daß Selma diesen Traum wieder hatte, sind alle Dörfler sichtlich beunruhigt, auch wenn sie größtenteils versuchen werden, sich nichts anmerken zu lassen.
Selmas Traum aber schafft Tatsachen. Die Leute bewegen sich im Dorf, als hätte sich auf allen Wegen Blitzeis gebildet, nicht nur draußen, sondern auch in den Häusern, Andere gehen gar nicht mehr auf die Straße. Der Postbote bleibt einfach nur noch sitzen und einige Leute im Dorf finden, daß es unbedingt an der Zeit sei, mit einer verschwiegenen Wahrheit rauszurücken. Bevor man stirbt, finden sie, sollte man wenigstens auf den letzten Drücker Wahrhaftigkeit ins Leben bringen. Der Einzige, der sich über Selmas Traum freut ist der alte Bauer Häubel, der selig darauf wartet, daß der Tod nun endlich zu ihm kommt.
Wir lernen Luise, Selmas liebenswerte Nichte kennen, Martin ihren kleinen Freund, dann gibt es noch den Optiker, der sich nie traut Selma seine Liebe zu gestehen und jede Menge Menschen, die in dieser Gemeinschaft mit ihren skurilen Eigenschaften so leben dürfen, wie sie eben sind. Und auch wir Leser werden sie alle in unser Herz schließen.
Es wird gelacht, geweint, gestorben und viel geliebt in diesem wunderbaren Buch. Jede Seite habe ich genossen und wollte nicht, daß es zu Ende geht. Und wie der Optiker, werden wir anfangen über diesen Satz zu grübeln :

„Wenn wir etwas anschauen, kann es aus unserer Sicht verschwinden, aber wenn wir nicht versuchen, es zu sehen, kann dieses Etwas nicht verschwinden.“
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Unsere Sommeraktion ist gestartet.
„Ferien mit Buch“
Wir möchten von Ihnen gerne ein Foto von Ihrem Ferienort, inkl. Buch und Ihren Vornamen dazu. Veröffentlicht wird das dann u.a. auf unserer Seite:
tumblr.com/blog/ferienmitbuch

Dienstag, 18.Juli

Heute haben
W.M.Thackeray * 1811
Ricarda Huch * 1864
Nathalie Sarraute * 1900
Nelson Mandela * 1918
Georg Kreissler * 1922
Ludwig Harig * 1927
J.Jewtuschenko * 1933
Geburtstag.
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Friedrich Gottlieb Klopstock
Die Sommernacht

Wenn der Schimmer von dem Monde nun herab
In die Wälder sich ergießt, und Gerüche
Mit den Düften von der Linde
In den Kühlungen wehn;

So umschatten mich Gedanken an das Grab
Der Geliebten, und ich seh in dem Walde
Nur es dämmern, und es weht mir
Von der Blüthe nicht her.

Ich genoß einst, o ihr Todten, es mit euch!
Wie umwehten uns der Duft und die Kühlung,
Wie verschönt warst von dem Monde,
Du o schöne Natur!
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Sophie Janjanin empfiehlt:

Johannes Herwig: „Bis die Sterne zittern
Gerstenberg Verlag € 14,95

Leipzig 1936. Für Harro und seine Freunde kommt es nicht in Frage in die Hitler-Jugend einzutreten. Also gründen sie ihren eigenen Club und werden Teil der „Leipziger Meuten“ (oppositionelle Jugendcliquen). Erste Liebe, Zeltnächte am Lagerfeuer, Ausprobieren von Alkohol. Was wie normale Sommerferien für einen 16-Jährigen klingt, wird für die Clique schnell gefährlich. Es gibt Ärger mit Eltern und Schule, sogar mit dem Staat. Bald haben die Jugendlichen eine Bange Ahnung, welche Konsequenzen ihr Treiben gegen den Strom haben kann.
Erstaunlich „normal“ wirken die Teenager, die der Soziologe und Psychologe Johannes Herwig in seinem Debüt beschreibt. Als wären sie sich der Gefahr in der sie sich befinden nicht bewusst. Der normale jugendliche Leichtsinn eben. Und doch schwebt der Zwang des nationalsozialistischen Regimes wie ein Damokles-Schwert über ihnen.
Das Erwachsenwerden in einer Diktatur bedeutet nicht nur schwarz oder weiß, mitmachen oder Kontra geben. Es bedeutet eine eigene Einstellung zu finden und diese auch im wahren Leben zu vertreten. In die Hitler-Jugend einzutreten ist nicht gleich die Hitler-Jugend auch zu unterstützen. Wie leicht vergisst man aus dem gemütlichen Standpunkt der Demokratie heraus, was Auflehnung gegen die Politik heißen kann? Ein Roman wie dieser tut – ob jugendlich oder erwachsen – gut in der Zeit der Bequemlichkeit.

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Jastram, die letzte Buchhandlungvor den Sommerferien

Heute abend stellen wir Ihnen ab 19 Uhr Bücher für die Ferien vor.
Es liest Marion Weidenfeld.

ORTE 15

Christel Müller, bildende Künstlerin, und Silvia Trummer, Schriftstellerin, arbeiten seit vielen Jahren themenbezogen zusammen. Sie haben in der Schweiz und Deutschland mehrere Ausstellungen gestaltet, indem sie Bilder, Texte und Objekte nebeneinander stellten. Unter dem Titel “ORTE“ zeigen die beiden Frauen Fotos und Notizen von unterwegs, an denen sie in den letzten Jahren gearbeitet haben. Was dabei entstanden ist, illustriert den Prozess von Gehen, Schauen und Gestalten. „Man könnte alles neu sehen“.